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Hör auf, dich fertig zu machen

"Hör auf, Dich selbst fertig zu machen!"

Der Kritiker in uns .... ein Saboteur?

Wer kennt ihn nicht, den „inneren Kritiker, Spielverderber oder Saboteur?“ der uns mit seinen – manchmal zermürbenden - Kommentaren begleitet. Jeder hat dabei seine eigenen Reizthemen. Aber woher kommt das? Woher kommt diese „innere Stimme“ die uns korrigiert, beleidigt, antreibt oder sogar quält?

 

Kurz gesagt: unser Gehirn produziert ständig Geschichten rund um unser Verhalten. All diese Geschichten haben mit unserer Vergangenheit zu tun, wie wir sie erlebt und was wir dabei erfahren haben. Nun stellt sich die Frage, ob diese Geschichten oder diese „innere Stimme“ uns schaden möchte, was aus evolutionärer und biologischer Sicht äußerst un-bio-logisch wäre. Nichts in uns, will uns schaden. 

 

Viel sinnvoller ist dahingehend die heutige Erkenntnis und Annahme, das dahinter eine Information und Potenzial steckt, welches uns hilft oder helfen kann, wenn wir es mal genauer, aus einer anderen Perspektive betrachten. Wenn wir das tun, wird ersichtlich, dass diese Art – sprich die negative Form – dieser Botschaften, nur ein Teil der Wahrheit ist. 

 

 


wahr oder unwahr ?

Es ist uns klar, dass Manches, so wie wir es erleben, nicht stimmen kann. Meist fühlt es sich zu übertrieben oder viel zu radikal an. Doch ganz sicher sind wir uns eben nicht, vielleicht ist ja auch etwas Wahres dran. Diese eigenartige und ziemlich verwirrende Mischung hält uns dabei fest im Griff. Manche Menschen setzen sich sogar darüber mit hohen Anforderungen und hohen Erwartungen selbst enorm unter Druck. Dann werden diese Geschichten zu einer extremen Belastung, psychisch und in Folge auch physisch. 

 

 

doch wo steckt der Störenfried?

. . . . . und vor allem, was will er und wie können wir ihn finden?" Offensichtlich ist, er ist äußerst wachsam, kommt ungerufen und ohne Vorwarnung. Meist, wenn wir uns in einer etwas unsicheren Lage oder Situation befinden, vielleicht sogar in einer bedrohlichen. Dabei fungiert er in gewisser Weise, wie ein „Aufseher“, der uns mit seinem erhobenen Finger warnen oder drohen möchte.

 

Nun hat das Gehirn die evolutionäre Aufgabe uns zu „beschützen“ und es stellt sich natürlich die berechtigte Frage, ob diese innere Stimme nicht von unserem Gehirn kommt, und wie solche kritischen Botschaften hilfreich sein können. Sieht man etwas genauer hin, erkennt man, dass diese Kommentare, mit Erfahrungen zu tun haben. Mit unseren persönlichen - insbesondere negativen – Erfahrungen, die wir im Laufe unseres Lebens gemacht haben. 

 

Die zentralen Hinweise auf ihren Ursprung, finden wir folglich in unserer Biographie. Ein zusätzlich wichtiges Merkmal ist, dass diese Botschaften immer mit einem Gefühl verbunden erscheinen. Oft einem unangenehmen Gefühl. Wenn wir von Erfahrungen sprechen, müssen diese nicht zwingend die „eigenen“ sein, sondern können auch in gewisser Weise „vererbt werden“ und den Erfahrungen oder „Wahrheiten“ unserer Vorfahren – meist Eltern oder Großeltern – entspringen. 

 

Bekannte Beispiele sind: „Wer Schwäche zeigt, hat schon verloren“, „Sei lieb, sonst passiert was“, „Wart’s nur ab, du wirst schon sehen, was du davon hast“ usw. Daraus entstehen oft tief prägende Überzeugungen, die in unserm Leben, obwohl die Eltern längst keinen Einfluss mehr auf uns haben, immer noch in uns verborgen wirken. 

 

 

angenehm? ...unbekannt? ...oder gefährlich?

Eine erste Beschreibung dieser – Stress fördernden – Botschaften kommt von Richard Lazarus. Er entdeckte, dass Menschen in jeder Situation zuerst  unbewusst prüfen ob sie „angenehm“ „unbekannt“ oder „gefährlich“ ist. Dies passiert abhängig vor dem Hintergrund der persönlichen Erfahrungen. Lazzarus erkannte auch, dass Ängste, Stress und Zweifel, vorrangig nicht durch das Ereignis selbst, sondern durch die eigene Bewertung, die wir dem Ereignis geben, ausgelöst wird. Heute weiß man, dass 80% aller unserer Stressauslöser aus solchen inneren Erfahrungs- und Glaubensmustern kommen.

 

Lazarus skizzierte eine grobe Struktur mit fünf zentralen Kernbotschaften.  „Streng dich an“,(...sonst wird nie etwas aus dir...), „Sei stark“, (...weil Schwächlinge haben keine Chance...), „Beeil dich“, (...denn wer zu spät kommt, den ...), „Sei perfekt“, (...sonst wirst du niemals gut genug...) und „mach es allen recht“, (...widersprich nicht, du darfst nicht Nein sagen...). 

 

Zwischenzeitlich wurden noch weitere Muster entdeckt, wie z.B. – „Du bist schuld“, (...wenn etwas passiert und schiefgeht...), „Keiner mag dich“, (....wenn du so bist, wie du bist), „Du machst alles falsch“ (...nichts was du tust ist richtig ...) oder „Nur die Harten kommen durch“, (wer nichts fühlt, muss nicht leiden....) Fast jeder Mensch finden sich in der einen oder andern Kernbotschaft wieder. 

 

Nicht immer im selben Wortlaut, doch letztendlich in einer ähnlichen Richtung oder Form, je nachdem, wie wir es individuell erlebt haben. Jeder von uns trägt seine eigene Version (oder Versionen – es ist selten nur eine) in sich. Wir wissen vielleicht noch nicht die genaue Bedeutung oder den Wortlaut, doch wir fühlen sie und können Sie über den Kritiker wahrnehmen.

 

 

Wie wir uns davon befreien

Die beste Theorie hilft aber nicht, solange wir uns weiterhin bedroht fühlen und nicht erkennen können wofür diese „unsichtbaren Botschaften“ gut sind oder sein sollten.  Betrachten wir sie mal vor dem Hintergrund der eigenen Biographie, wird uns vielleicht relativ schnell klar, woher sie kommen, doch ihre wahre Bedeutung, ist uns zumeist immer noch unklar. 

 

Aufklärung: „Zieh dir was an, du wirst dich noch erkälten“ wird fast jedem von uns bekannt sein. Was ist das? Eine Drohung, ein Befehl, eine Prophezeiung? Wie wir es auch immer deuten oder interpretieren, es ist nicht – und das ist wichtig –die wirkliche und wahre Botschaft, denn die liegt dahinter. Sie entspringt einer Sorge und zwar jener, dass uns etwas passiert, zustößt oder gefährden könnte.

 

Genau genommen ist es eine Warnung. Diese kommt nicht nur aus dem Mund von Eltern, sondern auch Brüder, Schwestern, Verwandte, Freunde oder Bekannte würden eine ähnliche Wortwahl wählen, um uns vor etwas zu schützen. Je näher sie uns stehen, umso heftiger, eindringlicher oder bestimmender wird diese Warnung sein. 

 

 


Schritt eins

Übertragen wir das auf „unseren Kritiker“ so wird schnell deutlich, dass uns diese „Stimmen“ vor etwas bewahren oder schützen wollen. Vor einer Gefahr oder einer (erneuten) unglücklichen Erfahrung. Darüber wird ersichtlich, in welchem Ausmaß alte (von uns gemachte) Erfahrungen unser tägliches Verhalten steuern. Dieses Verständnis ist es, was wir für unseren „inneren Kritiker“ brauchen, denn darüber eröffnet sich die Chance zur (Auf-)Lösung der Problematik. 

 

Schritt zwei

Wir alle machen von Kindestagen an Erfahrungen, gute und schlechte. Beide Arten von Erfahrungen werden danach über Gefühle in uns gespeichert und entsprechend markiert“ (mehr dazu - hier oder hier). Je nach Einschätzung einer Situation, einer Person oder Lage, kommt in uns ein Gefühl hoch und weist uns in eine Richtung. Gute Gefühle raten uns was wir tun, negative Gefühle drängen uns „was wir besser lassen sollten. Wozu es noch keine Erfahrung gibt, gibt es auch noch kein Gefühl. 

 

Kleines Beispiel: Sabine ist von ihren Eltern ausgezogen und hat ihre erste kleine eigene Wohnung. Nach einem Jahr findet sie in ihrem Briefkasten ein grünes Kuvert vom Stromanbieter. Keine Werbung sondern die erste Abrechnung. Sie öffnet und ist erstaunt wie entsetzt über die sofort, zu begleichende Nachzahlung und neue höhere monatl. Strombeiträge. Jedem ist klar, dass ähnlich grüne Briefe, bei Sabine in Zukunft sofort ein bestimmtes Gefühl erzeugen. So funktionieren Erfahrungsmuster. 

 

Und stellen wir uns vor, dass Vater oder Mutter ihr früher, einen der oben benannten Botschaften vermittelt haben, „du machst alles falsch“, dann kommt hier noch ein viel tiefer liegendes Gefühl, nennen wir es Prägung hinzu. Ein „gefundenes Fressen“ für den inneren Kritiker. 

 

Schritt drei

Wahrscheinlich glaubt niemand (auch nicht ihre Eltern), dass Sabine „alles“ falsch macht, außer sie selbst, weil es diese Stimme und dieses Gefühl in ihr gibt. Wenn wir solchen Denk- und Glaubensmustern auf die Spur kommen, sind wir der Lösung schon recht nahe. Dann liegt aller Anfang in der Erkenntnis und dem Verständnis, mit uns selbst und unserer Gefühlswelt, denn nur so gelingt es, nachzuvollziehen worum es wirklich geht und wie wir die Situation lösen können. 

 

Sieht man nämlich einmal genauer hin, findet man hinter den Stimmen etwas sehr Wertvolles und Hilfreiches. Mit der Erkenntnis, das gewisse Ängste in die Vergangenheit gehören und keine „reale“ Bedeutung mehr haben, werden die "Alarmsignale der Vergangenheit" schnell kleiner, bis sie durch neue Erfahrungen und damit verbunden Gefühlen ganz verschwinden können. Was Vielen vielleicht unbekannt ist, ist die Tatsache, dass es für unser Gehirn leichter ist, neue Erfahrungen zu machen, als sich alte abzugewöhnen.

 




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Kommentare: 1
  • #1

    Eveline Schalk (Donnerstag, 12 Dezember 2019 08:10)

    Danke! „Zufällig“ entdeckt, passt perfekt in meine derzeitige Situation �



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