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Sind Gefühle wirklich wichtig?

Wozu haben wir Gefühle?

Der zur Zeit bedeutendste Emotionsforscher A. Damasio sagt: „Gefühle brauchen den Körper als ihr Theater und helfen uns damit, im Leben zu agieren“. Der Körper informiert uns sowohl über äußere wie auch innere Ereignisse und hat dabei gewiss keinen Grund, sich selbst zu belügen, im Gegenteil, diese Mechanismen sind über-lebens-wichtig. 

So gesehen ist der Körper immer ein Abbild unseres inneren Befindens. Beide arbeiten synchron und beeinflussen sich gegenseitig, Körperbewegung ist sowohl Geistes- wie auch Seelenbewegung oder umgekehrt.

 

Erfahrungen, beginnend im Mutterbauch werden gespeichert und informieren uns später in Form „somatischer Marker“ (A. Damasio). So stehen verdrängte oder unterdrückte Gefühle in Verbindung mit Verspannungen, die sprichwörtliche „Hartnäckigkeit“ zeigt dies besonders deutlich. Mit Übungen können solche Blockaden verarbeitet werden und wieder frei fließen. Alle Haltungen, körperlich als auch geistig, entstehen durch Erfahrungen und können nur durch neue, andere Erfahrungen verändert bzw. ersetzt werden.

 

Schutzhaltungen sind Fehlhaltungen, werden aber oft als eigene individuelle richtige Haltung empfunden, obwohl sie schmerzen. Wenn man wieder seinen Körper „weckt“ – wie man es als Kind tat – wird er locker und unverkrampft. Sobald ein Mensch zu spielen beginnt oder lacht, sind alle Fehlhaltungen weg, ein Moment der Befreiung. „Die Grundlage von Selbst-bewusst-Sein ist das Hintergrundempfinden des eigenen Körpers“. (A.Damasio).

 

Schon im 19. Jahrhundert erkannte man und wusste einiges über „das Bauchhirn“ und vermutete, es sei für Gefühle und das Unbewusste zuständig, während das Gehirn für das Bewusste verantwortlich sei. Doch „das Bauchhirn“ gelangte in Vergessenheit, sodass man darüber und das, was dazugehört, wenig in Erfahrung brachte. Durch den „rationalen Anspruch“ von Wissenschaft und Gesellschaft waren Gefühle uninteressant, denn schließlich ist ja das, was den Menschen mit den Tieren verbindet, und damit wollte man, so wenig wie möglich zu tun haben. Aber seit den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts wird auch den Neuro(bio)logen klar, dass Menschen gefühlsbetont sind und dass der Verstand in die Gefühle eingebettet ist. Erst jetzt begreift man, dass Gehirn und Körper mit den Gefühlen und Affekten zusammenhängen. So gesehen ist es also historisch nicht wirklich etwas Neues, dass Gehirn und Körper zusammengehören. 


Was genau sind Gefühle und wie entstehen sie?

Gefühle werden durch Denkprozesse ausgelöst, die aus aus gespeicherten Vorstellungsbilder erzeugt werden. Diese Vorstellungsbilder sind mit früher erworbenen Erfahrungen verknüpft und lösen ihrerseits eine unbewußte Körperreaktionen aus, die den Gefühlszuständen entsprechen. Über den veränderten Körperzustand werden wir uns dieser Gefühle erst bewußt. Je nachdem, wie der Körper auf äußere Ereignisse oder Situationen reagiert, verändert sich auch die persönliche Körperwahrnehmung. Empfindungen oder Wahrnehmungen begleiten markieren damit Erfahrungen als angenehm oder unangenehm. A. Damasio nennt sie "somatische Marker" - mit Wahrnehmungen zu verknüpfen, ist uns  angeboren, teils entwickelt sie sich im Zuge der Sozialisation des Individuums. Die somatischen Marker sind nach Damasio die Grundlage unserer Entscheidungen.


Haben Gefühle eine Aufgabe? Wenn ja, welche?

Sie helfen uns beim Denken, indem sie Vorentscheidungen treffen und uns, ohne daß es uns bewußt ist, in eine bestimmte Richtung drängen. Sie warnen uns vor Dingen, mit denen wir schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht haben, oder lenken die Aufmerksamkeit auf etwas Wichtiges.

 

Deshalb werden normalerweise keine rationalen Entscheidungen getroffen. Gefühle „beschleunigen“ Entscheidungen, damit wir schneller zu Handlungsmöglichkeiten finden. Dieser Vorgang stellt auf Grund der Vorstellungsbilder „abrufbare Strategien“ bereit. Biologie und kulturelle Einflusse bestimmen deshalb das Endergebnis solcher Entscheidungen.

 

Damasio erklärt, daß Erinnerungen und damit verbundene Gefühle das Denken bestimmen. Auf diese Art und Weise ist es uns auch möglich, überhaupt Entscheidungen zu fällen, die also nicht auf einem "kühlen Kopf" beruhen. Das Gehirn ist ganz wesentlich auf körperliche Reaktionen und die Rückkopplung von körperlichen Zuständen angewiesen.


Gibt es einen Unterschied zwischen Emotionen und Gefühlen?

Wie schon erwähnt, werden Gefühle durch Denkprozesse, die aus gespeicherten Erfahrungen erzeugt werden, ausgelöst. Sie helfen bei der Entscheidung und Findung einer entsprechendes Verhalten auf eine Situation. Gefühle haben ein klares Erkennungsmerkmal, sie sind abrufbar. Das heißt sobald wir einer entsprechende Erinnerung hingeben, erhalten oder entsteht in uns  auch das entsprechende Gefühl. Gleichgültig ob "positiv oder negativ". Gefühle oder innere Vorstellungsbilder haben dabei keine Wertung sondern dienen uns vereinfacht gesagt nur als "Warnung" oder "Vorfreude". 

 

Emotionen bestimmen oft zu einem großen Teil unser Verhalten, ohne daß wir uns dessen bewußt sind. Da der "Sitz" der Emotionen in den evolutionär alten Teilen unseres Gehirns angesiedelt ist, unterscheiden sie sich kaum von denen anderer Tiere. Im Gegensatz zu vielen Tieren haben wir Menschen lediglich gelernt, sie teilweise zu identifizieren und bedingt zu kontrollieren. Daraus aber zu schließen, wir hätten unsere Emotionen und Instinkte im Griff, ist sicherlich falsch. Wer also von der "Natur des Menschen" spricht, der darf diesen wichtigen Aspekt nicht außer Acht lassen.

 

Die Evolution setzte Prioritäten, da es in der Evolution allem oft eine Frage des Überlebens war. Das emotionale Gehirn ist immer wachsam. Seine Aufgabe ist es, aus dem Hintergrund die Umgebung zu überwachen. Sobald es eine Gefahr oder aber eine außergewöhnlich gute Gelegenheit (aus dem Blickwinkel des Überlebens z.B. geeigneter Sexualpartner) entdeckt, löst es augenblicklich Alarm aus. Binnen weniger Millisekunden werden dann sämtliche Vorgänge im kognitiven Denken (Neokortex) storniert und seine Tätigkeit unterbrochen.

 


Es ist zum Beispiel dafür verantwortlich, wenn das Gespräch zwischen zwei Männern auf der Terrasse eines Cafes plötzlich stockt, weil ein verführerischer Minirock durch ihr Gesichtsfeld spaziert.


Wie Patricia Goldman-Rakic an der Univ. Yale bewies, verfügt das emotionale Gehirn über die Fähigkeit, den präfrontalen Kortex, den am höchsten entwickelten Bereich des kognitiven Gehirns, abzuschalten. Dies ermöglicht es dem Gehirn als Ganzes, sich unverzüglich auf das zu konzentrieren, was für das Überleben von wesentlicher Bedeutung ist. Dies lässt und z.B. beim Autofahren unbewusst auf eine Gefahr reagieren. Das emotionale Gehirn erkennt die Gefahr und bündelt unsere Aufmerksamkeit, bis die Gefahr vorüber ist.

 

Schlagartig gewinnen die Reflexe der instinktiven Verhaltensweisen die Oberhand. Sie sind schneller und näher an unserem genetischen Erbe. Daher hat die Evolution ihnen für Notsituationen den Vorrang eingeräumt, da sie sich besser dazu eigenen, als abstrakte Überlegungen, vor allem wenn das Überleben auf dem Spiel steht.


Haben wir auf unsere Gefühle einen Einfluss?

Wie oft sagen wir: „Wenn ich nur meine Situation ändern könnte“ und beißen weiterhin gleichzeitig die Zähne zusammen. Im gleichen Zustand tauchen aber immer wieder die gleichen Probleme auf. Statt ständig zu versuchen, ideale äußere Bedingungen herzustellen, sollte man sich darauf konzentrieren, das Innenleben besser zu verstehen und zu regulieren (harmonisieren). In vielen Fällen sind dann oft die günstigen Umstände, welchen man ständig hinterherläuft, von selber da.

 

Wohlbefinden und emotionale Intelligenz

Die emotionale Intelligenz findet dann angemessen ihren Ausdruck, wenn die beiden Hirnsysteme - das kortikale und das limbische - in Kohärenz (Übereinstimmung) zusammenarbeiten. Diesen Zustand des „WOHLBEFINDENS“ streben wir ständig an. Es ist die spürbare Harmonie zwischen dem emotionalen Gehirn, dass die Energie liefert und die Richtung vorgibt, sowie dem kognitiven Gehirn, dass die Durchführung reguliert.

(Quelle: David Servan-Schreiber - "Die Medizin der Emotionen".

 


"Seltsamerweise gibt es ein sehr einfaches Anzeichen der Harmonie dieser beiden Gehirne - ein Lächeln“.  

                                                                                          David Servan-Schreiber  


Wie sich in Studien zeigt, genügt schon die Erinnerung an ein angenehmes Gefühl oder auch nur eine gedachte Szene, um sehr schnell einen Übergang in die Kohärenz (Übereinstimmung, Harmonie, Stimmigkeit) auszulösen. Dies wirkt sich auf das emotionale Gehirn aus, dem diese Stabilität signalisiert, dass physiologisch alles in Ordnung ist. Dieses Wechselspiel führt zu einem positiven Effekt, der sich mit ein wenig Üben herstellen und beibehalten lässt.

 

M. Csikszentmihalyi benannte als Begriff das Wesen des Wohlbefindens zu erlangen oder darin zu sein – FLOW. Es zeigt sich in dem Augenblick, in der sich ein Mensch in Harmonie zwischen dem, was er denkt, und dem was er fühlt, zwischen Kognition und Emotion befindet. Das Gehirn verfügt über eine angeborene Neigung zum FLOW.   (D. Servant–Schreiber)

 


Welchen Sinn haben positive Gefühle?

-  positive Gefühle sind angenehm

-  positive Gefühle erweitern den Horizont – (auch körperlich)

-  positive Gefühle schaffen neue Ressourcen

-  positive Gefühle machen Widerstandsfähiger (resilienter)

-  positive Gefühls-Quotienten über 3:1 bedeuten ein erfülltes Leben

-  positive Gefühle bewirken eine Steigerungs-Dynamik (Aufwährtsspirale)

 

Wenn wir von positiven Gefühlen – nicht von positivem Denken – sprechen, dann bedeutet das nicht, dass negative Gefühle nicht stattfinden dürfen oder sollten. Alle Gefühle sind gleich wichtig und sollten nicht unterdrückt werden. Der zentrale Aspekt dabei ist das Verhältnis. Wie hoch sind die positiven und negativen Anteile im (Berufs-) Alltag?

 

Leistungsstarke Teams haben einen Positiv-Quotient von 3:1 – leistungsschwache Teams agierten bestenfalls mit einem Quotienten von 1:1. Positive Emotionen sind der aktive Wirkstoff, der Motor für Entwicklung.

 

Wir alle kennen solche Gedanken

-   Nichts mache ich richtig

-   Ich schaffe es nicht, mir Zeit zu nehmen

-   Dass immer ich die Dinge machen muss

-   Keinen interessiert es, ob es in meinen Zeitplan passt

-   Ich weiß nicht, wie ich es schaffen soll

-   Es ärgert mich, etc........

 

Negative Gedanken dieser Art beeinflussen unseren Alltag, durchdringen die Gespräche mit uns und die Kommunikation mit anderen, sie beeinflussen sogar unser Urteilsvermögen und vernichten sogar manch guten Willen oder Absicht, die von außen kommt. Zu allem Übel führt eine ungebremste, negative Haltung zu gesundheitlicher Schädigung, zu Gefühlen wie Wut, Verachtung, bis hin zu Depression, die letztendlich unseren gesamten Organismus beeinträchtig, in manchen Fällen sogar zerstört. Negative Gedanken, wirken schnell und heftig, niemand ist dagegen immun.         

(Barbara Fredrickson „Die Macht der guten Gefühle“) 



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