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weshalb die Seele lacht

Lachen gehört zu den ältesten nonverbalen Kommunikationsformen. Es ist eine „unwillkürliche Körperreaktion auf angenehm empfundene Ereignisse" und wird in einem der ältesten entwicklungsgeschichtlichen Teile unseres Gehirns aktiviert. 


über Lachen und Humor

Bevor die Menschen die Sprache erfanden, kommunizierten sie mit Gesten, Mimik und Geräuschen. Lachen ist ein Ausdruck von Zuneigung, des Wohlwollens. Auch die Stimmmelodie und der Sprachrhythmus ändern sich beim Lachen oder Lächeln, ebenso wie die Muskelspannung im Gesicht  All das läuft weitgehend unbewusst ab, sodass  ein gespieltes Lachen ebenso instinktiv als unecht wahrgenommen und erkannt wird.

 

Kinder lachen noch bedeutend häufiger als Erwachsene. Im stressigen Alltag der Erwachsenen gibt oft wenig Anlass zum Lachen, Dennoch wäre es mehr als hilfreich und förderlich, es häufiger oder bewusst öfter zu tun, da enorme gesundheitsförderliche Gründe dafür existieren. Eine relativ junge Wissenschaft befasst sich seit den 60ern mit der Erforschung des Lachens, nachdem spektakuläre Heilungserfolge des Journalisten Norman Cousins, der seine chronische Rückenentzündung mit Lachen kurierte. Er veröffentlichte seine Geschichte in dem Buch "Der Arzt in uns selbst". Damit rückte Lachen erstmals als Forschungsgegenstand ins Interesse der Wissenschaft. Einer der Pioniere ist Prof. William Fry von der Stanford Univ. Seine Forschungen und Experimente wiesen zahlreiche körperliche Wirkungen des Lachens nach.



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Was Lachen im Körper bewirkt

Lachen verringert Stress, indem es den Kortison- und Adrenalinspiegel absenkt. Schmerz wird durch Ausschüttung von Endorphine vermindert (N. Cousins),die Muskeln werden in Folge bis zur Skelettmuskulatur gelockert. Durch erhöhte Produktion von T-Lymphozyten und T-Helferzellen wird das Immunsystem aktiviert und Entzündungen eingedämmt. Der erhöhte Sauerstoffaustausch regt die körpereigene Verbrennung an. Das Herz-Kreislaufsystem entspannt (Kohärenz) und der Blutdruck sinkt nachhaltig. Botenstoffe wie Serotonin (biologisches Antidepressive), Dopamin (Belohnungshormon) Endorphine, wie auch Oxyticin (Beziehungshormon) werden ausgeschüttet. Die zahlreichen positiven körperlichen Effekte des Lachens beeinflussen natürlich gleichermaßen die Psyche, wie ebenso ein intensiv positives Lebensgefühl. Wer lacht, kann sich nicht gleichzeitig auf Ängste oder Schmerzen konzentrieren und erlebt dabei – wie N. Cousins – eine wichtige Erholungs- und Regenerationsphase, was besonders in belasteten Lebenssituationen oder Stress hilfreich und förderlich ist.

 

Patch Adams

Ein bekannter Vorreiter für die Anwendung dieser besonderen Effekte war der Arzt Patch Adams (verfilmt mit Robin Williams), der in der Psychiatrie mit Kindern und Jugendlichen arbeitete und sich dabei als Clown verkleidete. Der Verein HumorCare engagiert sich für die „wissenschaftlich fundierte Anwendung von Humor in klinischen, psychosozialen, pädagogischen und beratenden Berufen.“

 

Humor macht high

Humor bringt komplexe neurologische Strukturen in Gang. Bereits im Jahre1953 entdeckte der Neurophysiologe Olds das Lustzentrum im Gehirn. Es ist im so genannten limbischen System lokalisiert. Von diesem System gehen auch andere Gefühle wie beispiesweise Wut und Aggression aus. Amerikanischen Wissenschaftlern gelang nun mithilfe der so genannten funktionellen Magnetresonanztomographie der wissenschaftliche Beweis dafür, dass Humor und in Folge Lachen wie eine Droge wirkt. Es aktiviert den gleichen Gehirnbereich wie ein Erfolgserlebnis oder Kokain. Das Hirnareal wird mit Dopamin überflutet, wodurch ein Belohnungsgefühl entsteht und Euphorie. Der Nucleus accumbens ist auch für das Hochgefühl nach Kokaingenuss verantwortlich - genauso wie für die Hochstimmung bei der Aussicht auf Erfolg.

 

der Kern für (Hoch-)Gefühle

Die technischen Daten des Humors sind schon etwas länger bekannt. So kennen Forscher die Gehirnregionen, die für die Analyse der Sprache und ihrer Bedeutung zuständig sind, wie auch die Bereiche, die den Gesichtsmuskeln und Stimmbändern das Lächeln oder Lachen befehlen. Das eigentliche Geheimnis des Humors liegt im "Nucleus accumbens". Die Gehirnregion  mit dem unaussprechlichen Namen war eindeutig die, die am stärksten, die auf humorvolle Situationen reagierte, fanden Dean Mobbs und seine Kollegen von der Stanford-Universität heraus. Sie wird bei einem herzhaften Lachen mit dem Botenstoff Dopamin überschüttet, wobei ein Belohnungsgefühl und eine Hochstimmung (Euphorie) entsteht. Stan Laurel und Oliver Hardy (bekannt als Dick und Doof) stellten sich bereits in ihrer Zeit als Filmemacher die „erstnhafte“ Frage – „Wie Humor entsteht?“



Das Erbe von Stan Laurel

Um humorvoll zu sein braucht es ein „anderes" Denken, denn „was Normal ist, ist eben nur selten lustig“. Dies ist ein zumeist noch unbekannter, doch aus neurobiologischer Sicht ein enorm gewinnbringender Vorteil, da er nicht nur unsere Denkvorgänge erweitert, sondern - wie bereits erwähnt - komplexe neurologische Strukturen in Gang setzt. Was vielleicht kompliziert klingt, ist im Grunde aber ganz einfach. Stan Laurel erkannte fünf einfache Mechanismen, welche Humor auf emotionaler wie ebenso geistiger Ebene erzeugen. Humor fördert dabei gleichermaßen die intellektuellen, wie kreativen Fähigkeiten, welchen den Menschen innewohnen. Mit den einfachen Prinzipien von Laurel lassen sich spielerisch neue Sichtweisen und einfallsreiche Lösungen für  "äußere, wie auch innere" Konflikte (z.B. Stressmuster) erzeugen.

 

"Selbststärkung durch Lachen"

Schon Siegmund Freud erkannte die hilfreichen Effekte von Humor und brachte es in folgender Form zum Ausdruck: 


"Humor hat nicht nur etwas Befreiendes, wie auch der Witz und die Komik, sondern etwas Grossartiges, was beide andere Arten nicht haben. Das Grossartige liegt im Triumph der selbstbewussten und gewinnenden Unverletzlichkeit des Ichs.“  Siegmund Freud (1927) über Humor „die Selbst Stärkung durch Lachen“.            


Menschen, die viel lachen, erleben sich selbst als stark und kompetent und fürchten sich nicht vor sozialen Konflikten.

 

Hirnforschung und Humor.

Gerade die Hirnforschung hat in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht und die grundlegenden Vorgänge unseres Denkens entschlüsselt. Auffällig dabei ist, dass das  Gehirn dazu tendiert „Automatismen zu produzieren". Das heisst, Dinge, die wir vielfach denken, glauben oder tun, werden unmerklich zu Selbstläufern. Diese, von unserem Gehirn, zwar als hilfreich entwickelte Funktion - hat auch seine Schattenseiten. Wenn wir ständig unter Druck, Belastung, Stress, Zweifel oder Ängsten stehen gelangen wir unbewusst in einen - automatischen und sich selbst reproduzierenden - Kreislauf negativer Gedanken und Gefühle. Gerade hier zeigt Humor "Schleudersitz-Qualitäten" und katapultiert und emotionalen oder geistigen Zwängen und wirkt somit wie eine Art Notausgang (Exit)


Der Sinn und Wert von positiven Gefühlen

Neurologie, wie auch positive Psychologie und andere Wissenschaften (Zellforschung, Mikrobiologie u.a.) zeigen deutlich, wie wichtig der positiver Umgang mit uns selbst, gerade in Bezug auf Gesundheit und Lebensqualität ist. Barbara Fredrickson war die erste, welche die „guten Gefühle“ erforschte und zu dem Ergebnis kam: 


"Mit dem Mittel des Vergnügens, verführt die Natur, uns zu tun, was uns nützt".                (Barbara Fredrickson)


6 Fakten zu positiven Gefühlen

-  positive Gefühle sind angenehm

-  positive Gefühle erweitern den Horizont – (auch körperlich)

-  positive Gefühle schaffen neue Ressourcen

-  positive Gefühle machen Widerstandsfähiger (resilienter)

-  positive Gefühls-Quotienten über 3:1 bedeuten ein erfülltes Leben

-  positive Gefühle bewirken eine Steigerungs-Dynamik (Aufwährtsspirale)

 

Wenn wir von positiven Gefühlen – nicht von positivem Denken – sprechen, dann bedeutet das nicht, dass negative Gefühle nicht stattfinden dürfen oder sollten. Alle Gefühle sind gleich wichtig und sollten nicht unterdrückt werden. Der zentrale Aspekt dabei ist das Verhältnis. Wie hoch sind die positiven und negativen Anteile im (Berufs-) Alltag?


Studien zeigen, dass positiv gestimmte Menschen bei Entscheidungen deutlich klüger, schneller und weitsichtiger handeln als negativ denkende. Leistungsstarke Teams haben einen Positiv-Quotient von 3:1 – leistungsschwache Teams agierten bestenfalls mit einem Quotienten von 1:1. Positive Emotionen sind der Treibstoff für Entwicklung.



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