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Was hat das Glück im Bauch verloren?

Von Wissenschaft und Forschung wird heute dem Immunsystem eine immense Bedeutung beigemessen. Ausschlaggebend dafür sind bahnbrechende Erkenntnisse, die erstmals 2013 ans Licht der Öffentlichkeit kamen. Im Darm befinden sich mehr als 200 Mio. Neuronen (Hirnzellen), die unser Innenleben überwachen und regulieren. Es zeigte sich, dass der Darm über den Vagus Nerv ständig im Austausch mit dem Gehirn steht. Besonders spektakulär ist die Tatsache, dass die Darmflora (Mikrobiota) sowohl Krankheit oder Gesundheit oder Krankheit steuern, wie auch unser Gedanken, Gefühle und unser Verhalten beeinflussen.

 


Firewall, Virenscanner, Diagnosezentrum

Der Verdauungstrakt ist imstande, die meisten Nährstoffe und Kalorien aufzunehmen, er kann zudem auch den Nährstoffgehalt analysieren und Schlüsse daraus ziehen, was für eine optimale Verdauung nötig ist. Dieses diagnostische Verfahren beginnt bereits im Mund, an den Geschmacksknospen der Zunge, sowie am Gaumen. Dabei werden auch Daten über die Produktion und die Beschaffenheit, ob „biologisch – natürlich und lebende Organismen“ wie auch industrielle oder chemische Inhaltsstoffe analysiert. 

 

Mikrobiota (Darmflora) und Immunsystem

Vor zehn Jahren hätte die Wissenschaft behauptet, dass die Darmbakterien (Mikrobiota) bei allen Menschen ungefähr gleich sind, heute ist klar, dass jeder Mensch eine spezifisch eigene Mikrobiota hat.  Spielt es dabei eine Rolle, wer genau uns besiedelt? Bei Übergewicht, Mangelernährung, Nervenkrankheiten, Depresssionen oder chronischen Darmproblemen, ist man immer wieder auf veränderte Bakterienverhältnisse (Bakterienpopulation) gestoßen.

 

Darm und Gesundheit

Jeden Tag wird uns mehrere Male das Leben gerettet. Seltsame Zellen werden abgetötet, Pilzsporen eliminiert, all diesen Service erledigt das Immunsystem. Es verfügt über Experten zur Erkennung von Fremden, über Auftragskiller, Hutmacher und Streitschlichter. Alle arbeiten Hand in Hand und „erledigen ihre Arbeit“ unglaublich gut. Der größte Teil (ca. 80%) unseres Immunsystems sitzt im Darm. Der Darm ist in Sachen Bakterienatlas die absolute Königsdisziplin. 

 

das 2. Gehirn

Der Darm sorgt in der Wissenschaft gerade für ein Umdenken, man beginnt, die alleinige und absolute Führungsstellung des Gehirns zu hinterfragen. Im Darm befinden sich nicht nur unfassbar viele Nerven, sondern – im Vergleich zum Restkörper – auch andersartige Nerven. Es gibt nur ein Organ, dass ebenfalls so eine Vielzahl besitzt – das Gehirn. Deshalb wird dieses Nerven-Netzwerk aktuell das 2. Gehirn oder Darmgehirn genannt, eben weil es so groß ist und chemisch ähnlich komplex. 

 

Virenscanner, Diagnosezentrum und Informant

Der Darm weiß über die letzten Moleküle unseres Essens Bescheid, fängt alle Hormone aus dem Blut ab, kommuniziert mit all unseren Immunzellen und lauscht andächtig dem Surren unserer Darmbakterien. Das macht ihn zum größten sensorischen Organ in unserem Körper. Liefern Augen, Ohren, Nase oder Haut die Informationen, um auf die Umwelt reagieren zu können, ist der Darm „Virenscanner, Analysezentrum und Informant“ über unser gesamtes Innenleben

 

 


Der Vagus Nerv, die "Darm-Hirn Connection"

Das Gehirn braucht Informationen, um sich ein Bild davon machen zu können, wie es im Körper zugeht. Der Vagus Nerv ist der wichtigste und schnellste Weg vom Darm zum Hirn. Darm und Hirn arbeiten schon sehr früh zusammen. Die beiden entwerfen einen großen Teil unserer ersten Gefühlswelt als Säuglinge. Wir lieben „wohlige Sattheit“, „verzweifeln über Hunger“ und „quälen uns mit Blähungen“. All diese Wahrnehmungen werden über den Vagusnerv an das Gehirn weitergeleitet und zwar rund um die Uhr 24 Stunden lang. Dabei werden riesige Datenmenden vom Darm ans Gehirn geschickt, während die Kommunikation vom Hirn in umgekehrter Richtung nur rund 10% ausmacht. 

 

 

Bauch + Gefühl

Viele der vom Darm gesammelten Sinneseindrücke unseres Innenlebens werden von uns vielleicht nicht bewusst wahrgenommen, aber vom enterischen Nervensystem (ENS) sorgfältig registriert und „dokumentiert“. Unser Bauchgefühl hat großen Anteil daran, wie es uns geht. Begriffe wie: „wir haben Schiss“, „müssen Niederlagen einmal verdauen“, „es stößt uns etwas sauer auf“ oder „Schmetterlinge im Bauch“, erhalten nun ihre wissenschaftliche Berechtigung.

 

Besonders erkenntnisreich war, dass 95% vom Serotonin (Wohlfühlhormon) im Darm produziert wird. Ein hoher Serotoninspiegel = positive Stimmung, ein tiefer Serotoninspiegel = negative Stimmung). Somit wurde offensichtlich, dass die Darmflora (Mikrobiota) hat einen hohen Einfluss auf Stimmung und somit in Folge auch auf unser Denken und Verhalten hat. Unser ICH besteht nicht nur auf sprachlicher Ebene aus Kopf und Körper (Bauch/Darm) sondern mittlerweile immer öfter auch im Labor. 

 

 

Studien zur „Darm – Hirn Connection“

Die erste Studie über die Beziehungen und Auswirkungen zwischen Darm und Hirn wurde 2013 veröffentlicht. Die Ergebnisse überraschten nicht nur die Versuchsleiter sondern auch die ganze Forscherwelt. Nach der vierwöchigen Einnahme von einem „Mix aus bestimmten Bakterien“ waren einige Hirnareale deutlich verändert, darunter vor allem Bereiche für die Gefühls- und Schmerzverarbeitung. 

 

Bei einer anderen Studie mit Menschen wurde sichtbar, dass Probanden, deren Vagusnerv stimuliert wurde, sich entweder wohl fühlten oder Angst bekamen, je nachdem mit welcher Frequenz dieser Nerv stimuliert wurde. Seit 2015 ist in Europa sogar eine Therapie bei Depressionen zugelassen, die darauf beruht. Dieser Nerv funktioniert wie eine Art Impulsgeber auf unser Gehirn. 

 

Bei einer holländischen Forschergruppe wurde in ihrer Forschungsarbeit sehr deutlich, dass z.B. Grübeln permanente und unmerkliche Stressgefühle in uns auslöst. Dabei kommt es in vielen Fällen auch zu einer gesteigerten Ausschüttung unangenehmer Hormone, sowie zu einer Belastung und Veränderung der Mikrobiota im Darm. 

 

In einer französischen Studie wurde der Einfluss von Probiotischen Substanzen erörtert und es wurde eine Kombination aus zwei Bakterien (Bifidobakterium longum und Lactobacillus helveticus) verwendet. Bei den Testpersonen veränderte sich nach vier Wochen nicht nur die Depressionstendenz zum Positiven, sondern auch Parameter für Wut, wie auch die Tendenz, körperliches Unwohlsein weniger tragisch zu empfinden als sonst. 

 

 


Wie wir unsere Immunkräfte stärken

Fazit - Das Immunsystem bekämpft Viren und Bakterien. Es hat die Aufgabe unsere Körper vor schädigenden Einflüssen zu schützen. Einflüsse dieser Art können Bakterien, Viren, chemische und industrielle Giftstoffe oder auch kranke Körperzellen sein. Das Ganze ist ein sehr komplexer Prozess, Die entscheidende Rolle dabei spielt unser Darm und 80% unseres Immunsystems befindet sich im Darm, welcher unser Innenleben regelt und darüber mit dem Gehirn über verschiedene Informationswege (Nervus Vagus, Botenstoffe und Hormone) in Verbindung steht. 

 

 

Ernährung

Es braucht keine Fantasie, um zu verstehen, dass industrielle Nahrungsmittel durch ihre Chemiezusätze eine besondere Herausforderung für den Darm darstellen. Antibiotika zerstören nicht nur schädliche Viren und Bakterien sondern auch hilfreiche, die unsere dringend Mikrobiota benötigt. Zwei Arten von Nahrungsmittel zeigen sich in den bisherigen Studien als besonders förderlich. Fermentiertes Obst und Gemüse, wie auch Joghurt bzw. probiotisches Joghurt. Probiotische Produkte, wie auch Omega 3 Fettsäuren lassen zudem einen positiven Einfluss auf den Vagus Nerv erkennen. 

 

„Macht sauer lustig?“. Säure kennt unser Körper von Früchten oder guten Bakterien (z.B. Milchsäurebakterien in Joghurt)., deshalb vertrauen unsere Geschmacksnerven darauf.  

Die Kombination beim Essen - wie z.B. Hauptgericht und Salate, oder Eingelegtes sind gut und eine bevorzugte Wahl. Unsere Vorfahren fermentierten Weißkohl zu Sauerkraut, machten Brot in Sauerteig und stellten Sauermilch oder Joghurt her. Fermentiertes stellte sich als etwas sehr Positives in der Vergangenheit, ob der Haltbarkeit, aber in besonderen Maße wegen der „hilfreichen und guten“ Bakterien, die unserem Darm - durch verbesserte Aufspaltung - die Arbeit vereinfachen und zugleich auch durch ihre Säure gefährliche Bakterien abtöten. 

 

 

Stress oder Wohlgefühl - der Vagus Nerv entscheidet 

Wie schon erwähnt ist der Vagusnerv die direkte Verbindung zum Gehirn und informiert es ständig über das aktuelle Geschehen in unserem Körper. „Rund alle 40 Sekunden wird so ein Bild erstellt und liefert einen Bericht unseres Befindens“ (A. Damasio). Auf diese Weise kann das Gehirn Maßnahmen zur Regulierung z.B. die Ausschüttung von Adrenalin oder Cortisol (Angst, Stress), wie auch anderen Botenstoffen einleiten. 

 

Ein gestresstes Nervensystem ist in Daueranspannung und somit sehr empfindlich. Darunter leidet der Darm enorm, verliert viel Energie und schwächt das Immunsystem zusätzlich. Ein Irisches Forscherteam führte ein Experiment durch, womit erwiesen wurde, dass es einen sehr deutlichen Einfluss vom Zustand des Darms bzw. der Mikrobiota auf unser Gehirn gibt. Das Ergebnis lässt sich mehr als sehen.

- 15 % geringeres Stressempfinden

- der Hirnbereich für’s lernen (auch Alzheimerzone) war aktiver

- die Fehlerquote bei Aufgaben (Prüfungssituation) geringer.

Die genauen Zusammenhänge und Einflüsse sind Teil der weiterer und kommender Studien- und Forschungsarbeit.

 

Bei Wohlgefühl, sprich wenn wir entspannt oder in guter Laune sind, produziert der Darm von selbst Serotonin (Wohlfühlhormon) und gibt somit das Signal ans Gehirn, dass „alles in Ordnung“ ist. In Studien zeigte sich, dass mehrere Möglichkeiten gibt, um den Vagus Nerv positiv zu stimulieren. 

- Kühles oder kalt duschen, 

- gezielte Massagen, 

- Meditation, Yoga

- Entspannungs- und Atemtechniken,

- Singen, Summen, Gurgeln, 

- leichte Bewegung, 

- Lachen, Humor und gute Laune,

- in Verbindung mit anderen (Gruppen), wird

zusätzlich Oxytocin als Anti-Stress-Hormon. 

produziert 

 

 


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