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Freigeist - Gelassenheit beginnt im Kopf

...wenn der Kopf frei wird und das Leben spürt

Was ist angenehmer, als die Momente in welchen man spürt, wie sich die Enge, alltäglicher Gedanken und Sorgen auflöst und ein Lächeln das Gesicht entspannt. In solchen Situationen fühlt man sich gelöst, spürt das Prickeln von Leben und der Kopf wird völlig frei.  Die Energie steigt und die Kraftreserven füllen sich.

 

Schicksal oder Geist der Zeit?

Stress ist heute kaum wegzudenken, kommt ungefragt und wenn man ihn am wenigsten braucht. Ohnehin ist das Volksleiden eine Erscheinung der Neuzeit: Der Stress, den heute fast jeder verspürt,  war der Medizin Anfang des vorigen Jahrhunderts, noch völlig unbekannt.

 

Wie also können wir ihn – vielleicht nicht augenblicklich, aber relativ schnell und dauerhaft – wieder los werden? Besonders der Glaube daran, dass Stress eine Bestimmung oder Schicksal sei, worüber wir nur wenig, bis gar keinen Einfluss haben, ist mit Sicherheit das größte Hindernis. 

 

Etwas zum Zeitgeist

Die WHO hat Stress sogar als eine der größten Gesundheitsgefahren des 21. Jahrhunderts ausgemacht. Die medizinischen Folgen betreffen Leib und Seele: Stress macht nicht nur traurig und vergesslich, er kann auch Asthma sowie Arterienverkalkung, Fettsucht und Diabetes begünstigen. Besonders schlimm ist es, wenn der „Stress im Kopf“ den Schlaf raubt, zumal Körper und Geist durch den Schlafentzug zusätzlich belastet werden. 

 

Unter den Erwachsenen empfinden viele Menschen vor allem den Job als einen Krankmacher. Mieses Betriebsklima, Zeitdruck, Über-, aber auch Unterforderung und vor allem ausbleibende Anerkennung zählen zu den  Ursachen dafür, dass die Fälle seelisch bedingter Arbeitserkrankungen innerhalb von 7 Jahren um 70 Prozent zugenommen haben - Psychologen konstatieren sogar ein Vor-Altern

 

Jetzt entlarvt die  Hirnforschung den chronischen Stress als genau jene zerstörerische Kraft, die den grübelnden in einen kranken Geist verwandelt: Dauerstress trübt die Neugier und die mentale Aufnahmefähigkeit, verschlechtert das Gedächtnis und führt dazu, dass Sorgen nicht mehr normal verarbeitet werden. Das alles macht den Stress zum wichtigen Grund für Angststörungen und krankhafte Niedergeschlagenheit

 


das halbe Hirn, das wir "nicht richtig" nützen

Die rechte Hirnhälfte hat eine direktere Verbindung tieferliegenden (emotionalen) Bereichen und empfängt Informationen, die unser Körper sendet. Die rechte Hirnhälfte ist der Sitz unseres „gefühlten“ Ichs und spielt auch eine bedeutende Rolle, wen wir mit Stress fertig werden wollen. 

 

Das rechte Gehirn bewirkt eine, „sowohl als auch – das heißt, ich sehe die Welt in ihren Möglichkeiten - Haltung“. Links hingegen denkt im entweder (richtig) oder (falsch) Modus und zerlegt die Welt in Details. Hier können selbst kleine Missgeschicke oft einen ganzen Tag beeinflussen und verderben. 

 

Einen wirklichen Einfluss bekommen wir dann, wenn wir lernen von links auf rechts „umzuschalten“ und damit statt von Druck, Stress oder Angst getrieben zu werden, die Perspektive wechseln können und unseren Geist auf andere Dinge, Möglichkeiten und  Chancen richten.

 


„Die rechte GH verarbeitet Informationen anders als die linke. Funktionsbereiche der rechten sind: Kreativität, der Umgang mit neuartigen Situationen.“           (Robert Scaer)


Das große Ganze und der Augenblick

Auch Iain McGilchrist beschreibt unser Denkorgan als ein Team zweier individueller Charaktere, die zwar zusammenarbeiten, aber auch unterschiedliche Absichten verfolgen. Für gewöhnlich merke man davon nichts, aber es zeige sich, wenn man eine Hirnhälfte experimentell isoliert. 

 

Der amerikanische Hirnforscher Michael Gazzaniga, der gemeinsam mit Iain McGilchrist viele Experimente durchführte. Auch er sieht im Gehirn zwei separate Module am Werk, die einen unterschiedlichen Blick auf die Welt haben beschreibt die Ergebnisse dieser Forschung wie folgt: 

 


„Die rechte GH verarbeitet Informationen anders als die linke. Funktionsbereiche der rechten sind: Kreativität, der Umgang mit neuartigen Situationen.“           (Robert Scaer)


Für die rechte Gehirnhälfte existiert das große Ganze und der gegenwärtige Augenblick. Freude kann sowohl ein Gefühl für unsern allgemeinen Wohlstand, wie ebenso des gegenwärtigen Augenblicks sein. In einem freudigen Augenblick ist alles zeitlos und jeder eins.

 

Wie wir mit Aufmerksamkteit das Gehirn steuern

Man muss kein Buddhist sein um zu verstehen, dass der Kreislauf von Gedanken an Pleiten, Pech und Pannen, das Leben nicht verbessert oder glücklicher macht. Mittlerweile ist erwiesen, dass ihr Anteil am alltäglichen Stress fast 80% beträgt.

 

Die Untersuchungen der letzten Jahre haben sichtbar gemacht, dass eine Achtsamkeitspraxis eine Reihe von stressbedingten, wie auch anderer Erkrankungen entgegenwirkt. Zusätzlich lässt sich darüber eine Erhöhung des Wohlbefindens und der Lebensqualität herbeiführen.

 

Neurowissenschaftliche Forschungen zeigen, dass ein Ausrichten der Aufmerksamkeit ein biologischer Vorgang ist. Die Studien bewiesen, dass sich Achtsamkeit sogar bei Störungen – einschließlich Angstzuständen, Drogenabhängigkeit oder Borderlinestörungen - als wichtiger Bestandteil einer erfolgreichen Behandlung erwiesen haben. (Quelle Dan Siegel – die Alchemie der Gefühle)

 

Weitere Erkenntnisse eine Langzeitstudie zeigen, dass der vordere Teil des Großhirns (präfrontale Kortex) von Menschen, die Achtsamkeit ausübten, sich viel stärker entwickelte als bei anderen. 

 

Viele nennen diesen Teil den „Regisseur im Gehirn“, weil der Frontallappen nicht nur die größte Hirnstruktur ist, sondern auch mit enorm wichtigen Aufgaben vertraut ist.  Dazu gehören eine fokussierte Aufmerksamkeit – die auch Störendes unterdrücken kann –, sowie die Organisation von komplexen Handlungen – auch zeitliche Planung in Form einer sinnvollen Reihenfolge – und die Funktionalität des Arbeitsgedächtnisses. auch die emotionalen und motivationalen Aspekte einer Entscheidung werden hier gesteuert. All diese einzelnen Aufgaben sind natürlich untereinander in ihren Einflüssen hochgradig vernetzt. Mehr finden Sie hier >>

 


von Tieren und Taxifahrern

Die Wahrnehmungen werden genau an diese Stelle geleitet und verstärkt, auf welche wir die Aufmerksamkeit lenken. Das zeigte sich z. B. bei Tieren, die dafür belohnt wurden, wenn sie auf Geräusche achteten und wo sich die Hörzentren im Gehirn stark ausdehnten. Während sich bei jenen, die für Gesehenes belohnt wurden, die Sehbereiche erweiterten.

 

Das Gleiche passierte (Univ. Berkley) bei Londoner Taxifahrern, die ca. 25.000 Straßen kennen müssen, um ihre Lizenz zu bekommen. Hier wurde bereits vor Jahren ein vergrößertes Areal für Orientierung im Gehirn festgestellt, denn es wächst bei/mit der Ausbildung

 

Der "Stressflut" entkommen

Sara Lazar vom Massachusetts General Hospital hat dahingehnd eine Studie mit 35 Probanden aus dem Großraum Boston durchgeführt, unter ihnen Anwälte, Journalisten und Ärzte. 20 von ihnen waren schon seit längerem überzeugte Achtsamkeitspraktikern und verbrachten jeden Tag mit Meditationsübungen. Die restlichen 15 Testpersonen dagegen hatten mit so was nichts am Hut.

 

Nachdem die Gehirne aller Probanden im Kernspin durchleuchtet waren, wurde klar: Die „Achtsamen“ verfügten über eine auffällig dickere Hirnrinde (Kortex) als die „Unachtsamen“. Auf diese Weise hat Sara Lazar einen faszinierenden Ausweg aus der Stressfalle aufgezeigt. Wenn man etwa die steigenden Anforderungen und die fehlende Anerkennung im Beruf nicht selbst beeinflussen kann, so kann man die Stressauslöser und -faktoren darüber beeinflussen und verändern. 

 



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