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Bewusstsein und Subjektivität

Bewusstsein und Subjektivität

Wir sind immer auf Sendung. Die Bilder strömen unaufhaltsam auf uns ein, wie in einem gigantischen und unendlichen Theaterstück. Besonders beeindruckend daran ist, dass wir sowohl das „was in uns dabei geschieht“, wie ebenso das „was um uns herum passiert“ verfolgen können. Somit sind wir Zuseher und Mitspieler zugleich. Diesen Zustand, der es uns ermöglicht, sowohl unser Innenleben, wie auch zugleich die äußere Welt zu betrachten, wird allgemein als Bewusstsein bezeichnet. Dieses – unser – Bewusstsein ist stets subjektiv und individuell, vor allem durch unsere persönliche Erfahrung. Die Einzigartigkeit unserer vergangenen Erfahrungen, verleiht uns die Brille, mit der wir die äußere Welt interpretieren, 

 

Subjektivität ist nicht materiell, sondern hat damit zu tun, wie unser Gehirn den Strom an Ereignissen oder Bildern, die auf uns zukommen, in Bezug auf unsere Erfahrungen „färbt“ oder ordnet. Wir sehen die Welt durch „unsere Erfahrungen“ und hören die Welt durch „unsere Erfahrungen“. Das unterscheidet die Wahrnehmung automatisch von der jeder anderen Person auf dem Planeten. Alles hängt also an der Weiterverarbeitung dieser Bilder, indem wir sie mit unseren individuellen Gefühlen – aus der persönlichen Vergangenheit - einfärben.

 

 

Eine weitere und wichtige Komponente des Bewusstseins ist die Fähigkeit, dass wir neue Erlebnisse in unser vorhandenen Wissens einordnen können. Gerade diese Komponente macht es möglich „neue Brillen“ zu erhalten. Das gilt für positive Erweiterungen unseres Bewusstseins, wie aber (leider) auch für negative.   


Wie entstand Kultur?

Unter „Kultur“ versteht man die Gesamtheit menschlicher Erfindungen, Ideen oder des Zusammenlebens. Gerade hier ist der Glaube der Intelligenz als treibende Kraft am größten. Dabei ist kreative Intelligenz überhaupt nicht denkbar ohne Emotionen und Bewusstsein. Die ersten von Menschenhand geschaffenen Erfindungen waren im Grunde nichts weiter als Antworten auf Befindlichkeiten. Frühe Errungenschaften wie Behausung, wärmende Kleidung und Werkzeuge für die Jagd waren direkte Lösungen für konkrete emotionale Bedürfnisse: Hunger und Durst, Hitze oder Kälte, Angst und Schutz. 

 

Auch die Religion war mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Antwort auf Gefühle wie Verlust und Trauer bzw. eine Reaktion auf Katastrophen oder Hungersnöte und Epidemien, die Emotionen wie Angst, Schrecken und Wut entfachten. Der Glaube an eine höhere Macht entsprach dem Wunsch nach Erlösung und Sicherheit. Er stillte die Sehnsucht nach Sinn und bot eine Erklärung, um den Tod zu begreifen. 

 


oder die Künste?

Ebenso die schönen Künste – von der Musik und dem Tanz über die Malerei bis zum Schauspiel – sollten schweren Empfindungen schöne Gefühle entgegenstellen und wissenschaftlichen Disziplinen wie die Medizin, die Physik und die Chemie entstanden aus dem Bedürfnis, Leiden zu bekämpfen und Lebensumstände zu verbessern. Unsere kreative Intelligenz mag vielleicht der ideenreiche Gestalter der Kulturgeschichte sein. Doch die Gefühle waren oder sind - immer noch - das Motiv und geben die Richtung vor.

 

Dem Fortschrittsgedanken nach sollte es der Menschheit heute so gut gehen wie noch nie. Doch auch wenn Kennzahlen den Erfolg der Entwicklung belegen, fühlt es sich dennoch so an, als stecke die Menschheit in der Krise. Dank des technologischen und wissenschaftlichen Fortschritts sind die Lebensumstände in weiten Teilen der Welt so gut wie noch nie. Niemals zuvor hatten so viele Menschen Zugang zu Bildung und Wissen, medizinischer Versorgung und Sozialleistungen.

 


müssten wir nicht glücklich sein?

Dennoch verbringen wir gerade in den westlichen Kulturen immer weniger Zeit damit, das Leben zu genießen. Im Gegenteil: Statistiken zufolge geht es abwärts mit dem Wohlbefinden der Menschen. Das ist überhaupt nicht verwunderlich. Das Überleben unserer Zivilisation scheint durch neue Gefahren wie Cyber-Kriege, das nukleare Wettrüsten und den Klimawandel bedroht. Individuen verfolgen – mehr oder weniger – ihre eigenen Interessen.

 

Ihr Verhalten wird nicht durch eine kollektive Emotionalität gesteuert. Das biologische Gleichgewicht - die Homöostase - hat sich über hunderte Millionen Jahre bis zum gegenwärtigen Stand der Evolution entwickelt und prallt mit vielen unserer modernen kulturellen Innovationen aufeinander. Heute greifen wir in vieles in unserer Umwelt ein, was uns von der Natur vorgegeben wurde. Wen wundert es da, dass es in der Folge auch zu massiven Gefühlsproblemen unserer Spezies kommt?

 


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