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Besser fix als fertig

Artgerechte Tierhaltung ist heute vielen Menschen ein großes Anliegen. Über artgerechte Menschenhaltung wird wenig nachgedacht. Mitarbeiter leiden darunter, dass sie nicht wirklich wissen, was von ihnen erwartet wird, dass ihre Vorgesetzten sich nicht für sie als Mensch interessieren, dass sie eine Position ausfüllen, die ihnen nicht liegt und dass ihre Einsichten im Unternehmen kein Gewicht haben. 

 

Die meisten Menschen müssen in immer kürzerer Zeit unter immer größerem Druck einen ständig wachsenden Beitrag zum Betriebsergebnis liefern. Dazu kommen die „neuen technologischen Entwicklungen, welche die Zeit- und Rahmenbedingungen noch um ein Vielfaches erhöhen. 

 

Im Grund unseres Herzens wünschen wir uns aber etwas ganz anderes: Wir wollen uns persönlich entwickeln, geliebt und anerkannt werden. Wir wollen über uns selbst bestimmen und suchen einen Sinn hinter all dem, was wir tun. 

 

Lesetipp: Buch des Monats - Jänner 2019

Besser fix als fertig

Autor: Bernd Hufnagl

Gebundene Ausgabe: 208 Seiten

Verlag: Molden Wien; Auflage: 4 (1. Mai 2017)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3854853319

ISBN-13: 978-3854853312

Kurzauszug aus dem Buch

"In der heutigen Berufswelt arbeiten leider viele Menschen nicht „hirngerecht“. Auswirkungen des nicht hirngerechten Arbeitens sind ja bereits erkennbar. Psychische Erkrankungen scheinen rasant zuzunehmen, während gleichzeitig die Belastbarkeit des Einzelnen eben so schnell abzunehmen scheint. Stress und Burnout werden (leider auch oft undifferenziert) zur Bedrohung". 

 

KAP 1 – Die Logik unseres Gehirns

"Das Prinzip der Evolution ist es, altbewährte Strukturen nicht mehr aufgeben zu können, sondern in Funktion und Struktur immer angepasst an neue Anforderungen zu ergänzen oder zu überlagern. Ist der Keller eines Hauses also einmal gebaut und tragfähig, so kann das Erdgeschoss nur mehr darauf errichtet werden". 

 

Stufe1: ReptiliengehirnÜberleben, Instinkte, Reflexe

"Mit dem Hirnstamm und Kleinhirn heute lebender Frösche verglichen, ist das mikroskopische Erscheinungsbild unserem „Reptiliengehirn“ auffällig ähnlich. Sie haben denselben grundlegenden Bauplan, man könnte sagen: dieselbe Hardware also denselben Prozessor. 

 

Ist also die Software, die für das Überleben der ersten Landlebewesen programmiert worden ist, in uns noch aktiv? Sieht also ein Teil in uns auch jetzt – in dieser Sekunde – die Welt so, wie es ein Frosch tun würde? ...  So ist es!! 

 

Dabei gibt es drei ganz wichtige Impulse:

Erster Impuls: Friss alles auf, was du siehst – und zwar alles!

Zweiter Impuls: Fortpflanzung

Dritter Impuls: Hau zu!! (Aggression)

Der Aggressionstrieb läuft in 3 aufeinanderfolgenden „Zündstufen“ ab. 

- Stufe 1 – schlag zu

- Stufe 2 – oder hau lieber ab, wenn (der Gegner davon nicht 

           beeindruckt oder übermächtig ist und 

- Stufe 3 – sonst stell dich tot. Das ist die finale Stufe, wenn Flucht

           nicht möglich ist, „tu so, als ob du nicht da bist“. 

 

Jeder von uns der schon mal voreilig eine aggressive Mail am nächsten Tag noch mal durchliest, ahnt, wer daran schuld ist: Der Frosch in uns hatte Stufe 1 gezündet, ... bumm.

 

Der Fluchtreflex ist auch bekannt. Ein unangenehmen Gespräch mit dem Vorgesetzten erweckt den spürbaren Drang, den Raum sofort zu verlassen. Im Froschgehirn wird’s dabei hektisch und schon leicht verzweifelt. Stufe 2 wird abgefackelt. .... doch, wie vermutet, der Weg ist versperrt. Wenn uns bestimmte Lebensumstände und eine entsprechende Unfähigkeit zur Handlung in die Enge treiben, passiert es, dass Stufe 3 gezündet wird. Wir stellen uns dann tot. 

 

 

Stufe 2: Säugetiergehirn - Gedächtnis, Emotion und Motivation. 

"Der Teil der Software, der dabei neu entwickelt wurde, nennt sich das „limbische“ System. Es gilt gemeinhin als der „Sitz der Emotionen“.

 

"Durch die Fähigkeit Emotion (und Empathie) wurde der „Aggressionstrieb“, der sonst ein enges Zusammenleben unmöglich macht, kontrollierbar gemacht. Das eigene Verhalten und das anderer – mit den entsprechenden körperlichen Reaktionen – zu spüren (und damit auch vorzusagen) zu können, ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor zur sozialen Entwicklung zum Menschen". 

 

Empathie.... Es war ein grundlegender Vorteil in einer „Herde“ die momentanen Befindlichkeiten anderer wahrnehmen und einschätzen zu können, z. B. bei Fluchtanzeichen oder -reaktionen oder im Zusammenleben allgemein. 

 

Die Funktion dafür (das Verhalten anderer nachempfinden zu können) läuft – das ist heute belegt – über die Spiegelneuronen, also über die Empathie. Als „Herdentiere“ synchronisieren wir sogar unser Verhalten und unsere körperlichen Reaktionen mit Freunden, nicht aber mit Feinden.  Enge Bindung und Beziehung kodiert unser Gehirn durch eine unterschiedlich starke Produktion des Hormons Oxytocin.

 

Überträgt man das auf Unternehmen zeigt sich, weshalb Führungskräfte gut beraten sind - bei Innovation und Veränderung – in Bindung und Sicherheit zu investieren. 

 

Der Mitarbeiterreflex, „da mach ich nicht mit“ oder „ich mach es, wie ich es bisher gemacht habe“, resultiert vorrangig nicht aus fehlenden Begründungen oder Erklärungen, sondern folgt meist einem Verlust an Sicherheit und Bindung. 

 

 

Stufe 3: ControllerBewusst-Sein, Vernunft und Sprache

Nur wir Menschen sind in der Lage, darüber nachzudenken, dass wir gerade über etwas nachdenken. Wir erleben die Welt „bewusst“, das ist das Auffällige an diesem neuen Netzwerk. Doch ... dieses Netzwerk verarbeitet kaum einen „direkten Input“, sondern erhält seine Informationen zu rund 90% vorgefiltert von „Frosch- und Spitzmaushirn“. Der Cortex bearbeitet die bereits „modifizierte“ Wahrnehmung und Information, die zuvor von Frosch und Maus konstruiert wurde. 

 

Die Fähigkeit zuerst darüber nachzudenken, ob uns eine bestimmte Sache auf eine bestimmte Weise gelingen könnte, ist die Fähigkeit, eine Theorie bereits in der Theorie sterben lassen zu können, ohne es tatsächlich auszuprobieren. 

 

Bekannt ist aber auch, dass Stress die „Vernunft“ blockiert und uns in die Entwicklungsstufe der emotionalen Reaktion zurückwirft und damit auf unsere Grundbedürfnisse, der beiden „Vorgehirne“. Nahrungs- und Sexualtrieb, Aggression, Bindungs-, Sicherheits- und Neugiertrieb. In der Kombination dieser grundlegenden Programme ergeben sich im Alltag zumindest sieben unterschiedliche Affekte, die unsere Entscheidungen leiten und die man uns sprichwörtlich ansehen kann: Fröhlichkeit, Wut, Ekel, Furcht, Verachtung, Traurigkeit und Überraschung. Das sind auch Ausdrucksformen, welche kulturübergreifend (auf die gesamte Menschheit) ausgedrückt und verstanden werden. 

 

All diese Gefühlszustände sind Vorbereitungsreaktionen auf Angriff, Fluch oder Kooperation, abhängig der Richtung welche der „Controller“ nur schwer kontrollieren kann. Selbst dann, wenn es vor einem möglichem möglichen Kampf Sinn machen würde. 

 

Werden Stresshormone durch Bewegung abgebaut, beruhigt sich Körper und Geist.  

Autor: Bernd Hufnagl

Gebundene Ausgabe: 208 Seiten

Verlag: Molden Wien; Auflage: 4 (1. Mai 2017)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3854853319

ISBN-13: 978-3854853312



Vortrag/Interview - Bernd Hufnagl




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