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Der Spiegel lächelt nie zuerst

Die Chemie von Sympathie

Wenn von Verständigung oder Kommunikation gesprochen wird, denken die meisten an Worte, an Sprache, vielleicht sogar an sms oder e-mails. Doch nur wenige assoziieren damit Mimik, Gestik Spiegelungseffekte, Gefühlsübertragungen oder sogar Einflüsse auf unsere Gehirnentwicklung. Wir werden zwar wir mit der Anlage von Sprache geboren, doch erst zwischen dem 2. und 3. Lebensjahr lernen wir zu sprechen. Kinder erkennen, dass alles rund um sie herum durch Worte beschrieben wird, zeigen dabei mit dem Finger auf Gegenstände und fragen: „was“ oder „is`das?“

 

Aber wie funktioniert Verständigung – ganze 30 Monate lang – zuvor? Gar nicht, wortlos oder in welcher Form? Die Kommunikation von Menschen ist im Vergleich zur Kommunikation von Affen zwar um die Sprache erweitert, doch hat sie auch alle Eigenschaften der nonverbalen Form unserer Vorfahren. Selbst später hat der Sprachanteil im Verhältnis zum Gesamtanteil der Kommunikation nur einen relativ geringen Anteil (max. 10%). Der Vorteil von Sprache ist, dass komplexe Informationen schnell gesendet werden können.


Am Anfang war - nicht gleich - das Wort

Biologen, die sich mit der Evolution von menschlicher Sprache beschäftigen, konnten zeigen, dass sich die „gesprochenen Worte“ aus Gesichtsmimik und Handgestik entwickelt haben. Eine Studie mit bildgebenden Verfahren ergab, dass Gestik und Sprache im selben Areal des Gehirns abgebildet werden. Diese Wahrnehmung hängt mit einer speziellen Art von Gehirnzellen – Spiegelzellen oder Spiegelneuronen – zusammen. Die Zellen „leuchten“ im Gehirn, wenn wir einen Gesichtsausdruck oder eine Geste sehen,

Solche Studien machen deutlich, wie tiefgreifend nonverbale Botschaften sind. Wenn Worte, Ausdruck oder Gesten nicht übereinstimmen, empfinden wir das als Widerspruch und sorgt für Irritation, entweder bei uns oder beim Gesprächspartner. Ein Großteil der Spiegelneuronen befindet sich in den Sprachzentren und ist entscheidend für die Fähigkeit der Verständigung mit anderen Menschen, sie zu fühlen, sie einzuschätzen – das heißt ihre Absicht zu erkennen - und darüber zu vertrauen (Zuwendung, Sympathie) oder uns zu distanzieren (Abneigung).

 

Sogar die Vokalisierungen von Primaten gleichen, wie sich herausgestellt hat, unseren eigenen und dasselbe kann man bei Vögeln sagen. Auch sie entwickeln über Laute, eine ausgefeilte Form der „Sprache“. Einige Arten haben sogar neuronale „Sprachnetzwerke“, die den Arealen des menschlichen Gehirns überraschend ähnlich sind.

 

Wie die Evolutionsbiologie zeigt, kommunizieren wir seit über 150 Mio. Jahren und es wurde sichtbar, dass Informationen überwiegend in den emotionalen Zentren (limbisches System) verarbeitet werden. Dabei trat ein weiterer – noch relativ unbekannter – Aspekt zu Tage, „nicht der Sender (also Sprechende) ist ausschlaggebend, sondern die zentrale Rolle spielt dabei die Wahrnehmung des Empfängers.


"Wahr ist nicht was A sagt, 

sondern was B versteht."

                            (Paul Watzlawick)


Wir benutzen zehntausende Gesichtsausdrücke, Körperbewegungen und Wörter in endlosen Kombinationen, durch die wir unterschiedlichste Nuancen in Bedeutung und Emotion zum Ausdruck bringen. Schon eine einfache Änderung in der Geschwindigkeit oder dem Sprachrhythmus verändert den Informationsgehalt und somit auch die Verarbeitung bzw. die Interpretation im Gehirn des Zuhörers. Wie oft wählen wir Worte gedankenlos und sind uns selbst gar nicht im Klaren über die Folgen der emotionalen Wirkungen auf andere Menschen. Häufig reden wir mehr, als wir müssen, hören nicht zu und merken es nicht einmal.

 

Kommunikationsschulungen sind nicht umsonst ein derartig lukratives Geschäftsfeld, interessanter Weise dreht sich jedoch dabei fast ausschließlich alles um die "Sendestrategie" und nicht darum, was beim Empfänger ankommt. Das funktioniert zwar in der "Werbekommunikation", weil man hier nicht verstehen sondern etwas bestimmtes fühlen soll, doch zwischenmenschlichen Beziehungen ist das anders. Falsche Interpretationen sind somit quasi eine Voraussetzung in der alltäglichen Kommunikation, das zeigen nicht nur die vielen Probleme in Familien, Schulen oder Unternehmen, sondern eindeutig auch die Studien.


"Nun hör mir doch mal zu".

Ist wohl einer der bekanntesten und häufigsten Ansprüche von Eltern an ihre Kinder. Diese haben zumeist ganz andere „Prioritäten“ und sind mit der Entdeckung ihres eigenen Lebensraums beschäftigt. Ab dem 14. und 15. Lebensjahr befinden sie sich im angehenden „Loslösungsprozesses“ und das heißt eben nicht in der Zuwendung, Noch kurze Zeit zuvor, war es anders - und deshalb oft unverständlich – da war das familiäre Umfeld und somit die Eltern elementar, sogar lebenswichtig. Denn eines der tiefsten Bedürfnis des Menschen ist es, verstanden zu werden. Das gilt im Verständnis der meisten besonders für Kinder, da sie sonst nicht fähig wären zu überleben, doch dieses „Überlebensbedürfnis“ sitzt auch in späteren Jahren in allen Menschen und bleibt ein Leben lang.

 

Wenn man niemanden hat der einen versteht - was vielleicht eines der großen Probleme unserer Zeit ist - entsteht sehr schnell ein Gefühl von Minderwert und Isolation, was im Gehirn eine fatalen Wirkung – wegen des fehlenden Oxytocin (Beziehungshormon) – in Gang setzt. Jede Art von Bindungen wird in unserm Gehirn durch eine unterschiedlich starke Produktion von Oxytocin gesteuert. Bei Sympathie die Produktion verstärkt, bei Abneigung wird sie blockiert. Ein fehlendes Beziehungsgefühl  „hemmt“ völlig die Ausschüttung, dabei wirkt Oxytocin als ein Gegenspieler von Stress. Es reduziert effektiv unsere Ängste, steigert das Sicherheitsempfinden und unsere Beziehungsfreude. Je niedriger das Oxytocin desto größer das Gefühl von Einsamkeit und desto anfälliger sind wir für Unverständnis, Ängste und Stress. 



Empathie

… ist die Fähigkeit und die Bereitschaft, die innere Welt und die Persönlichkeitsmerkmale einer anderen Person, Gruppe oder Situation zu erkennen und sie zu verstehen. Dieses Verstehen kann auf kognitive, emotionale und soziale Weise erfolgen und ist zunächst einmal neutral. Allgemein wird es als Mitgefühl verstanden, das heißt, es ist die Fähigkeit nachzuempfinden, wie sich ein anderer Mensch fühlt, was in ihm vorgeht und ihn bewegt.  Hier sind nicht nur die Spiegelneuronen am Werk, sondern wir wenden uns auch einem anderen Menschen aktiv zu. 


Aktive Zuwendung - zuhören

Bei einer empathische Kommunikation legt ebenso viel Gewicht auf das Zuhören wie auf das Sprechen. Bewusstes Zuhören setzt voraus, dass wir unsere eigenen - ständig beschäftigten - Denkvorgänge einmal „herunter fahren“ und nicht nur auf die Worte sondern auch auf die nonverbalen Signale, wie Stimme, Mimik und Körpersprache eines Gesprächspartners eingehen. Wirkliches Zuhören stoppt den eigenen inneren Dialog. Wenn wir lernen, innerlich einmal einen kleinen Schritt „zurückzutreten“ entsteht eine neue Art von Wahrnehmung. Über diese können wir besser auf die Aussagen unseres Gegenübers eingehen, wodurch wir intuitiv auch subtile Signale, der Absicht, Authentizität und Glaubwürdigkeit erkennen.

 

Wie jüngste Gehirnscan--Studien zeigen, spiegelt unser Gehirn umso stärker die Aktivität des Gehirns vom Gesprächspartner wider, je intensiver wir zuhören. Dadurch können wir andere Menschen wirklich verstehen und seine Anliegen, Sorgen oder Freuden „mitfühlen“. Wenn wir davon Gebrauch machen, passiert etwas Überraschendes: die beiden Gehirne – das eigene und das des Gegenübers – beginnen, sich aufeinander abzustimmen. Diese Wechselwirkung nennt man »neuronale Resonanz«, und in dieser Übereinstimmung können Menschen bemerkenswerte Dinge vollbringen.



Eine veränderte Kommunikationsweise, verändert zugleich auch unser eigenes Bewusstsein, und dieses wiederum beeinflusst jeden Gedanken, jedes Gefühl, die Verhaltensweise und darüber das persönliche Leben. Bewusstsein ist neurologisch in jedem Hirnareal „verankert“ und ermöglicht eine differenziert Wahrnehmung, sowie eine Vertrauen und Werte fördernde Kommunikation mit anderen.

 

Dean Radin, Neurowissenschaflter am Institute of Noetic Sciences im Petaluma, Kalifornien, führte eine Doppelblindstudie über die Effekte menschlicher Absichten auf das autonome Nervensystem anderer Menschen durch und fand heraus, dass mitfühlende Gedanken in einer Gesprächsführung, messbare Veränderungen in der Hautleitfähigkeit des Empfängers verursachten, obwohl die Empfänger – in diesem Experiment – von den Gedanken nichts wussten.

 

Damit wurde klar, es verändert sich nicht nur das Verhalten, sondern neben den Gehirnfunktionen auch die Beziehung zu anderen. Die Biologie hat in der Natur Tausende von Beziehungsstrategien gefunden, sie lassen sich vereinfacht in zwei Wörtern zusammen fassen: »kooperative Kommunikation«. 


"Gehirne kommen streng genommen im Singular gar nicht vor, die Hirnentwicklung lässt sich überhaupt nur als ein Prozess von Beziehung beschreiben. Die Erkenntnis, dass das menschliche Gehirn ein erfahrungs- und nutzungsabhängig entwickelndes Organ ist, bedeutet, dass die soziale Umwelt die neuronale Architektur eines Gehirns ganz entscheidend bestimmt."                 (Gerald Hüther)


 

Fortführende Experimente am Department of Neurobiology and Behavior der Cornell University (Ithaca /New York) haben ergeben, dass wir gerade auf dieser Ebene über ein enormes Potenzial verfügen, um die Chancen auf kooperative Beziehungen zu Hause oder am Arbeitsplatz auf eine andere qualitative Ebene zu bringen haben. Wertschätzung

 

Offenheit und Authentizität senden ein spezifisches Signal an die Gehirne von Mitmenschen und vermitteln intuitiv die Absicht oder Gesinnung. Zusammenfassend lässt sich sagen: eine innere positive Haltung schafft ohne uns dessen bewusst zu werden, Sympathie oder Antipathie. Sympathie führt zu Beziehung, Beziehung zu Kooperation und Kooperation wiederum zu unglaublichen Ergebnissen.  

 

Dazu hat die Harvard Universität eine 75jährige außergewöhnliche Studie veröffentlicht . . .  Dauer 15 min.


The Good Life - Dr. Robert Waldinger 

Was macht gesund und glücklich, wenn man ein ganzes Leben betrachtet? Die Harvard Universität veröffentlichte eine über 75 Jahre andauernde Studie, die 742 Leben dokumentierte, 1938 begann .... und deutliche Antworten darauf liefert.


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