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Der Angst-Wohlstand

Die Angsterkrankungen in der westlichen „Wohlstandsgesellschaft“ nimmt laufend zu. In Deutschland leidet jeder fünfte (20%) über ständige Ängste. In Großbritannien haben sich die Verschreibungen für Antidepressiva in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. Waren es 2006 31 Millionen, stieg die Anzahl bis 2016 auf 64,7 Millionen (108,5%)

 


Angst und damit in Verbindung chronischer Stress führt zu Depressionen, Angst, Wut, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Gedächtnisverlust und vor allem zu einem geschwächten Immunsystem, was die Lebenserwartung verringert. Wobei auch die Pflegenden – wie durch eine Kettenreaktion - an einem depressiven Erschöpfungszustand leiden, da sie miterleben, wie sich der Zustand ihrer Angehörigen verschlechtert, was oft zu eigenen emotionalen und gesundheitlichen Problemen führt.

 


Wie kommt die Angst in unsere Köpfe ?

Stellen Sie sich folgende Situation vor. Sie müssen zu einem Jahresgespräch mit ihrem Chef, der leider einen ziemlich „schlechten Tag“ hat. Niedergeschlagen und ungerecht behandelt verlassen Sie den Besprechungsraum und hadern für den Rest des Tages mit dem Schmerz der Ungerechtigkeit, mit ihrer Enttäuschung und Wut. Sie sprechen auch mit ein paar Kollegen über das Erlebnis und lassen ihrem Frust freien Lauf. Berechtigt fühlen Sie sich als Opfer. An diesem Tag hat sich in Ihrem Gehirn etwas nachhaltig verändert: Drei Netzwerke waren erstmals gleichzeitig aktiv und wurden miteinander verbunden. 

 

Netzwerk eins: das Stammgehirn reagierte auf den Schmerz nach dem Gespräch mit Aggression und Wut. 

Netzwerk zwei: das emotionale Gehirn (limbisches Sysem) steuerte die Handlung des emotionalen Jammerns und spürte die wohltuende Wirkung des sozialen Zuspruchs (Oxytocin) und 

Netzwerk drei: das Großhirn  nahm das eigene Verhalten in dieser Situation bewusst wahr, womit sie als „(Muster-)Erfahrung“ abgespeichert wurde. 

 

Diese drei Wahrnehmungen wurden dadurch miteinander verdrahtet und werden künftig immer gleichzeitig reagieren! In solchen Situationen verknüpfen sich die Erfahrungen und produzieren daraus Überzeugungen. Von nun an genügt es, dass Sie einen Kollegen beim „Jammern“ zuhören, und Sie werden den eigenen, von Ihrem Chef zugefügten Schmerz wieder empfinden.  (Bernd Hufnagl - "Besser fix als fertig")

 

Das bedeutet, negative Erfahrungen prägen sich viel intensiver ein, weil unser Gehirn diese Erfahrung in Zukunft vermeiden oder anders gesagt, uns davor schützen will. Da wir ja oft schon von Kindheit an, in unserem Elternhaus oder familiären und kindlichen Umfeld negative Erfahrungen machen, tragen wir mehr oder weniger viele negative Belastungen mit uns herum, die sich im Falle der entsprechenden Wiederholung dann auch noch verstärken können. 

 


Wie wir Ängste verändern und lösen

Will man einer Maus beibringen, dass sie z.B. einen Ton nicht mehr zu fürchten braucht, ist ein Umlernen (Extinktion) nötig. Dabei wird das Alte zwar nicht völlig vergessen, jedoch es wird etwas Neues erfahren und erlernt. Um eine ängstliche Reaktion zu verlernen, spielt man der Maus einen Ton vor – aber ohne einen negativen Reiz. Diese neue Erfahrung wird mit der alten verglichen und wird dabei durch eine mehrmalige Wiederholung immer bedeutungsloser, bis sie schließlich nur noch im „stand by“ vorhanden ist. 

 

Das heißt, es wird für unser Gehirn dann interessant, wenn bei einer alten Erfahrung etwas Anderes  passiert, was mit dem alten Erfahrungsbild nicht übereinstimmt. Dann öffnet unser Gehirn erneut den Erinnerungsspeicher, vergleicht das Vorhandene (alte Muster) mit der neuen Erfahrung und macht dabei ein „update“. In diesem Moment entsteht Erkenntnis und wir haben etwas dazugelernt. Das ist nicht außergewöhnlich, weil die Fähigkeit zur Veränderung und Erweiterung im menschlichen Gehirn angelegt, sogar besonders dafür geeignet ist. Genau genommen könnte man sagen, sobald wir bereit sind alte Erfahrungen in neue Erfahrungen umzuwandeln, können wir uns auch von alten und erlernten Ängsten befreien. 

 

Das Wichtigste daran ist, dass wir eine Situation die z.B. mit Stress verbunden ist, lernen aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten, noch besser, zu erleben. Hat unser Gehirn einmal  vom neuen Gefühl ein „update“ gemacht, passiert alles Weitere, allein durch Wiederholung. Die alte Erfahrung - damit in Verbindung auch die Angst - wird immer schwächer und geringer

 

Sie ist dann zwar für einen Notfall immer noch aktivierbar und kann uns somit auch in Zukunft vor Gefahr schützen, belastet uns aber nicht mehr. Die Erkenntnis, dass wir eine (beängstigende) Situation auch anderes lösen können, führt zu einer unglaublichen Befreiung. 

 

Selbst bei einer Sucht ist dieses aktive Umlernen in der heutigen Therapie ein Weg aus der Krankheit oder auch bei Angsterkrankungen und Belastungsstörungen, um die Ängste zu überwinden. Es gilt dabei alte Verhaltensmuster durch Erkenntnis und eine neue – im besten Falle positive – Erfahrung zu verändern. Wie das beispielsweise bei einem Kindheitstrauma passierte, zeigt das Beispiel einer Bankfrau aus Zürich (hier >>)

 

 

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