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Stell mal die Angst auf "stand by"

Angst ist eine Grundemotion und überlebenswichtig. Unser Organismus reagiert unbewusst und reflexartig darauf. Doch es gibt natürliche und angeborene Ängste, wie ebenso erlernte Ängste, die im Laufe des Lebens individuell, also abhängig von den persönlichen Umständen entstehen. Die meisten Ängste, die wir in uns tragen sind erlernt. 

 


natürliche oder erlernte Ängste

Sie hängen mit Erfahrungen, aus der Kindheit oder Jugendzeit zusammen und speichern sich in unserem (emotionalen) Gedächtnis ab. Oft tragen Menschen Ängste bis zu ihrem Tod mit sich herum. Solche „alten“ Erfahrungen beeinflussen das Leben, die Gedanken, Gefühle, wie ebenso das weitere Verhalten. Diese machen sich besonders im Alltag(-stress) bemerkbar. 

 

Beide Formen erscheinen lebensbedrohlich und erzeugen inneren Stress. Während die angeborenen Ängste (vor Höhe, Dunkelheit, Lärm, Mangel an Sauerstoff usw.), jeden Menschen betreffen, sind erlernte Ängste, mit unserer Biographie und belasten im gewissen Sinne „nur“ uns, aber genau das macht sie veränderbar. Genauer gesagt, können wir unsere unbewusste (Angst-)Reaktion und unser Verhalten dazu verändern. Wir können es minimieren oder sogar ganz auf „stand by“ stellen, was besonders befreiend bei Ängsten im Alltag, beruflichen oder privaten Bereich ist. 

 

„Ob die bisher im Gehirn angelegten und das Fühlen, Denken und Handeln bestimmenden Verschaltungen für den Rest ihres Lebens so bleiben oder verändert werden sollen, brauchen wir ein lebenslang lernfähiges Gehirn. Und genau das ist die spezielle Fähigkeit des menschlichen Gehirns.“ (Gerald Hüther)

 

Nichts bleibt, wie es ist, wenn wir etwas verändern möchten. Doch wir glauben oft, dass negative Erfahrungen für immer in uns stecken und unvergänglich sind. Die Natur hat es zwar so angelegt, dass wir alte Erfahrungen zwar nicht völlig ausradieren – sonst müssten wir das Rad ewig neu erfinden – doch lassen sich alte Erfahrungen, durch neue und bessere Erfahrungen korrigieren und in einer neuen Version - im Gehirn - updaten. 

 

 


Ein Update im Kopf

Stell dir vor, du entdeckst wegen einer Umleitung auf deinem Weg zur Arbeit, ein neues auffallend nettes Cafe. Du hast gerade Zeit, hältst an und bist begeistert von den frischen handgemachten Croissants, dem Cafe und denkst dir „hier werde ich öfter mal vorbeifahren“. 

 

Doch nach ein paar Tagen – weil die Umleitung wieder aufgehoben wurde – nimmst du wieder deinen alten, bislang gewohnten Weg. Erst im Büro merkst du, dass du auf dein kleines neues Cafe vergessen hast. Das passiert und es nennt sich die Macht der Gewohnheit. Erst wenn deinem Gehirn signalisierst, dass du einen anderen Weg nehmen möchtest, wird es das auch tun.Deshalb stellst du dein Rad am Abend andersrum ab, um dich so am Morgen selbst daran zu erinnern. 

 

Ab nun wirst du immer häufiger diesen Weg fahren und neben dem guten Croissant und dem Cafe auch vielleicht weitere, für dich interessante Dinge entdecken - Freunde, Gleichgesinnte, was auch immer. Nach einiger Zeit denkst du vielleicht wieder einmal an die alte Radstrecke, du wirst lächeln und verstehen, was dir zuvor alles entgangen ist. Du freust dich über die gelungene Veränderung und über das „update“.  

 

  


neuer Weg, neue Erfahrungen

Dieses Beispiel beschreibt, wie in deinem Kopf, neue Denkwege und darüber auch neue Erfahrungen entstehen. Zuerst wird uns immer die Macht der Gewohnheit auf die alten und bekannten Wege führen. Doch sobald du dich entschieden hast, einen neuen Weg zu probieren und dir dieser neue Weg gefällt, wird dein Gehirn ein Update machen und diesen Weg von sich aus vorschlagen oder gehen. 

 

Doch was hat das mit der Angst zu tun, könntest Du dich fragen? Der Prozess eines „Erfahrungs-updates“ in deinem Gehirn ist immer der gleiche. Sowohl negativ, wie auch positiv. Das heißt, auch negative Erfahrungen kannst du durch neue Erfahrungen und Erkenntnisse verändern. Sogar soweit, dass die alte Erfahrung, die dir vielleicht bislang Ängste bereitet hat, auf „stand by“ gestellt wird. Ähnlich, wie bei der Geschichte mit dem neuen, kleinen Cafe. Probier’s mal aus.

  

 


Fazit

Jeder wird im Laufe seines größer, klüger, kräftiger, intelligenter, vielseitiger und unabhängiger, als er oder sie es vielleicht zu dem Zeitpunkt waren, als sie das prägende Angsterlebnis hatten. Der Großteil an Ängsten stammt aus vergangenen Tagen und löst still und unbemerkt einen Alarm aus, der mit der Gegenwart in vielen Fällen zu tun hat. Studien zeigten, dass fast 80% aller Stressreaktionen genau durch solche (Fehl- oder Schein-)Alarme ausgelöst werden. Wer einmal verstanden hat, der kann im Alltag und im Leben viel entspannter sein. 

 

Die im Laufe des Lebens „angelernten Ängste“ können wir so, fast bis zur Gänze loswerden, denn was wir erlernt haben, können wir auch bewusst erweitern und verändern. Ganz bestimmt gibt es auch in deinem Leben Dinge, vor denen Du einmal Angst hattest, aber dich heute längst nicht mehr davon bedroht oder beängstigt fühlst.

 


"Nachdem die Bezugspersonen unserer ersten Jahre die Macht über uns in aller Regel nicht mehr haben, könnten wir genau das zu uns sagen, was wir immer gerne gehört hätten". 

                                                                                   M. Winterheller


Der Grund dafür ist, dass dein Gehirn verstanden bzw. erlernt hat, dass bestimmte Dinge, Situationen, Menschen einerseits keine reale Gefahr mehr darstellen und du im Umgang damit, eine Lösung kennst.  


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