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Wie Dankbarkeit das Gehirn verändert

Himmel und Hölle

Ein aggressiver und kämpferischer Samurai forderte einen Zenpriester auf, ihm zu erklären, was Himmel und was Hölle sei.

Der weise Priester antwortete ziemlich provokant: „Du bist nichts weiter als ein Flegel. Warum sollte ich mit dir meine Zeit vergeuden?

Damit traf er den Samurai tief in seiner Ehre. Rasend vor Wut zog dieser sein Schwert und schrie: „Für diese Frechheit sollst du sterben.“

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„Das ist“, antwortete der Priester „die Hölle“.

Verblüfft von der überraschenden Einsicht, die ihn der Priester über die Wut lehrte, hielt der Samurai für einen Augenblick inne, steckte  sein Schwert wieder zurück in die Scheide und dankte dem Priester mit einer Verbeugung für diese Erkenntnis.  

"Und das" lächelte dieser, "ist der Himmel“.

                             (Japanische Legende)



Wie Dankbarkeit unser Gehirn verändert

Aktuelle Untersuchungen und Studien zeigen nun, wie wirksam und effektiv Dankbarkeit ist. Dankbare Menschen sind gesünder, besser gelaunt, stressresistenter und emotional stärken. Sie werden in Folge leistungsfähiger und in ihrem Leben, sowie Ihren sozialen Beziehungen zufriedener. Gerade bei depressiven Menschen zeigte sich in verschiedenen Versuchen positive Wirkung. 

 

In der Bloomington Indiana University starteten Wissenschaftler ein Experiment und teilten Patienten, die auf Grund von Depressionen oder Ängste behandelt wurden, in zwei Gruppen auf. Die erste Gruppe mit 43 Personen sollte über drei Wochen, täglich einen Dankbarkeits-Brief schreiben. An wen sie diesen Brief schrieben und ob sie ihn verschickten, blieb den Teilnehmern selbst überlassen. Die zweite Gruppe, die für dieses Experiment ausgewählt wurde und als Kontrollgruppe diente, führte diese Übung nicht durch, wurde ebenso laufenden Gehirnscans unterzogen.  

 

Interessant an den Studienergebnissen war, dass sich umso mehr Aktivität in den Hirnregionen zeigte, je höher das Dankbarkeitsempfinden der „Briefschreiber“ war. Besonders im Frontallappen, in dem unter anderem der Sitz unserer Persönlichkeit, wie unseres sozialen Verhaltens lokalisiert ist, aber auch im Scheitellappen, in dem die Empfindungsfähigkeit (haptische Reize – begreifen, Tastsinn) und unter anderem die räumliche Wahrnehmung, ließen deutliche Veränderungen erkennen. 

 

Im Vergleich zu Versuchen mit Empathie, zeigte sich, dass Dankbarkeit eine eigene Emotion ist und im Gehirn eigene Muster erzeugt, zudem aktiviert es in Verbindung mit Empathie zusätzliche neuronale Verknüpfungen. Je dankbarer wir selbst sind, desto eher gehen wir mit anderen Mitmenschen liebevoller und sozialer um. Was diese Menschen wiederum dankbarer macht und so einen „Kreislauf der Dankbarkeit“ anstößt. Auffällig im Abgleich mit den Empathie-Regionen des Gehirns, stellte sich Dankbarkeit als eigenständiges Gefühl dar, welches in anderen Bereichen abläuft. 

 


Dankbarkeit und die Wirkung auf das Herz

Prof. Paul J. Mills von der Univ. of California, San Diego untersuchte, ob Dankbarkeit die Gesundheit von Herzpatienten verbessern kann. An der Studie nahmen 186 Männer und Frauen mit Herzinsuffizient teil. Mithilfe von psychologischen Tests wurde der Grad der Dankbarkeit und des geistigen Wohlbefindens der Testpersonen festgestellt. Die ermittelten Werte verglich man mit dem psychischen Zustand, der Schlafqualität, der Müdigkeit, dem Glauben an sich selbst, sowie den Entzündungswerten im Blut der Patienten. Es wurde deutlich, je dankbarer die Patienten waren, umso besser war ihre Stimmung und umso tiefer war auch ihr Schlaf. Zudem stand mehr Dankbarkeit im Zusammenhang mit einem höherem Selbstvertrauen und sichtbar reduzierten Entzündungswerten.

 

In einem weiteren  Schritt wurden die Teilnehmer erneut in zwei Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe wurde gebeten ein „Tagebuch der Dankbarkeit“ anzulegen und zu schreiben, in dem sie laufend, selbst kleinere alltägliche Ereignisse zu vermerken.

 

„Wir stellten fest, dass jene, die ein Dankbarkeitsbuch schrieben, gleich mehrere Entzündungswerte sanken. Gleichzeitig erhöhte sich die HRV (Herzratenvariabilität), was mit einem reduziertem Infarktrisiko gleichzusetzen ist“, erklärte Prof. Mills. (mehr zum Thema Herz hier >>)

 


Dankbarkeit statt Antidepressiva

Dankbarkeit kurbelt die Produktion von Dopamin und Serotonin an. Dopamin ist unser Antriebshormon und für die Motivation zuständig. Serotonin reguliert im Herz-Kreislauf-System die Spannung der Blutgefäße. Serotonin wirkt dabei wie ein natürliches „Antidepressiva“ und gibt uns ein Gefühl von Gelassenheit, inneren Ruhe und Zufriedenheit. 

 




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