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Die Biologie von Gedanken

Die Biologie von Gedanken

"In der heutigen Berufswelt arbeiten viele Menschen leider nicht hirngerecht".

                                                                  (Bernd Hufnagl)


Da wir in der Schule zwar „denken gelernt“ haben, aber nicht wie Denken, besser gesagt, wie die Denkvorgänge funktionieren, ist es - obwohl für viele spürbar - schwierig nachzuvollziehen, dass wir Tag für Tag gegen die (Bio-)Logik unseres Gehirns agieren. Was sich in Jahrhunderte langen Schritten (äußerst erfolgreich) entwickelte, verändert nicht seine Funktionsweise, nur weil der Mensch – dem modernen Zeitgeist folgend – es gerne so  hätte oder will. 

 

Die Frage, „wer am längeren Ast sitzt?“ zeigt sich bereits in bekannten Krankheitsbildern wie Erschöpfung, Resignation oder Burnout. Achtet man auf die Bio-Logik des Gehirns kehren Kraft, Energie, Wohlbefinden und auch die Gesundheit, wie von selbst zurück. (mehr über Achtsamkeit >>)

 


"Logik ist so ziemlich das Letzte, womit sich   unser Gehirn beschäftigt. Das Gehirn rechnet   nicht, es will sich wohlfühlen“.

                                                                     (Susan Greenfield)


Susan Greenfields Worte fassen die Arbeitsweise und das Bestreben unseres Gehirns in einem Satz zusammen. Warum wir es anders erleben, hat damit zu tun, dass sich die (beruflichen, gesellschaftlichen oder persönlichen) Prioritäten, mit den Prioritäten unseres Gehirns im Alltag kreuzen.

 

Psychische Belastungen, wie ebenso Erkrankungen nehmen fortlaufend zu. Die Auswirkungen eines nicht "hirngerechten Lebens" sind gut erkennbar und bei vielen Menschen offensichtlich - in Form von Belastungs-, Stress- oder Angstzuständen und in den Daten von Gesundheitsorganisationen und Krankenkassen - registrierbar. 

 

Das Gehirn ist kein Kochtopf

Ein Beispiel: Der Glaube oder die landläufige Meinung „Dampf abzulassen“ sei förderlich oder befreiend, ist ein - wo auch immer entstandener und weit verbreiteter Irrtum. Das gilt aber nicht nur für diese „explosive Form“ sondern auf für alle anderen destruktiven Denk- und Verhaltensweisen. In einem vom Dalai Lama im Oktober 2004 in Dharamsala (Indien) veranstalteten „Mind and Life“ Konferenz erklärte der Neuropsychologe    R. Davidson (vgl. Begley 2007):

 


"Unser Gehirn ist kein Kochtopf. Im Umgang       mit negativen Gedanken liegt das Geheimnis.   Die Art, wie wir im Alltag reagieren beeinflusst

 vorrangig die Grundstimmung des Gehirns und somit in Folge auch unseres Lebensgefühls".  

                                                                    (Richard Davidson)


Unsere Denkbahnen (neuronale Verbindungen) verstärken sich, je öfter sie gebraucht oder verwendet werden. Das gilt fürs Positive, ebenso wie fürs Negative. Je stärker dadurch die Verbindungen werden, umso mehr prägen diese unsere gesamte Wahrnehmung in allen Bereichen ...zu einer Sache, zu anderen Menschen oder zum Leben. 

 

Wenn sich das Denkkarussell dreht

Unmerklich erzeugen diese (verstärkten) Verbindungen eine automatisierte Denkschleife und wir geraten auf den Grübelkurs. Wenn wir ab und zu auf diesen Kurs gelangen, ist das etwas ganz Natürliches und Normales. Das passiert jedem Menschen. Doch dabei ist es wichtig, sich diesem Kurs nicht einfach hinzugeben, denn sonst landen wir in einem Karussell. 

 

Es ist wichtig, diese inneren Monologe zu prüfen und darauf zu achten, wie nutzbringend, beziehungsweise welche Bahnen sie einschlagen. Bringen sie uns voran? ... führen sie uns zu einem „aha, ich weiß jetzt wie? .... oder zu einer hilfreichen Erkenntnis?“. Wichtig ist, dass wir  bewusst die eigene Gedankenwelt beobachten, damit wir uns nicht unbewusst – wie es beim Grübeln der Fall ist – im Gedankensumpf versinken.

 

In dem Moment, wo wir erkennen, dass Gedanken beginnen sich ziellos und ergebnislos ständig wiederholende Runden zu drehen, ist es wichtig, dass wir uns  aktiv auf einen anderen Kurs begeben. Nur so können wir der Steuermann und Kapitän der eigenen Gedankenwelt sein. 

 

Wir reisen jeden Tag in die ? ? ?

Jeden Tag reisen wir - ob wir uns schon mal Gedanken darüber gemacht haben oder nicht -  in die Zukunft. Wenn wir uns klar ist, wird offensichtlich, dass wir nur in diese Richtung etwas beeinflussen oder bewirken können.  Die Vergangenheit lässt sich nicht ändern. Was Vielen vielleicht noch  unbekannt ist, ist die Tatsache, dass es für unser Gehirn leichter ist, sich neue Sichtweisen anzugewöhnen, als alte abzugewöhnen.   

 

Wenn eine neue Sichtweise - in Bezug auf unser Leben oder Lebensqualität – von unserem Gehirn als hilfreich und sinnvoll erachtet wird, wird sie nach relativ kurzer Zeit die Oberhand gewinnen. Das alte Denkmuster oder Verhalten geht in Folge, wie von selbst auf ‚stand by‘. Das ist die natürliche Funktion und Lernweise unseres Gehirns. In Wahrheit ist genau das, die außergewöhnliche und besondere Fähigkeit des Menschen 

 

Wir können unserem Gehirn jedoch nichts vormachen. „Positives Denken oder Glaubensformeln“, sprich, uns selbst etwas einzureden, funktioniert nicht, weil das Gehirn nur Änderungen folgt, die sich tatsächlich, auch als wahr und sinnvoll erweisen bzw. anfühlen.

 

Das passiert über die unmittelbare Rückkoppelung mit unserem Körper. Wir können uns 1000mal vorhersagen: "ich bin glücklich" oder "es geht mir gut", wenn es der Körper anders fühlt, hilft das gar nichts. 

 

Das ist eine zusätzlich wichtige Funktion im Gehirn, um zu verhindern, dass wir eine auf eine falsche Fährte gelangen oder einer Illusion nachlaufen. Doch es gibt ein eindeutiges „Signal der Bestätigung“, wenn wir uns auf einem stimmigen oder "richtigen" Weg befinden. Das Belohnungssystem schickt uns dieses Signal und es heißt Dopamin.

 

Die Fähigkeit der Belohnung

Wir werden quasi „von innen her belohnt“ wenn uns etwas Neues gelingt. Jeder kennt das Gefühl, wenn wir spüren, dass sich unser Einsatz gelohnt hat. Natürlich kennen wir auch das Gegenteil. Damit wir uns für eine (lohnende) Sache motivieren, erhalten wir Dopamin vom Hippocampus, einem Seepferdchen ähnlichen Teil des Gehirns.

 

Dopamin erzeugt eine Erfolg signalisierende Wirkung und steigert unsere Neugier, Begeisterung und Lernfreude. Es ist schon länger bekannt, dass es gerade bei unserer Entwicklung, von Kindesbeinen an, wie auch bei jeder Entwicklung von Fähigkeiten eine große Rolle spielt. 

 

Die Logik des Belohnungssystems ist einfach: es ist das befriedigende Gefühl (der Belohnung) durch die Entscheidung unseres Einsatz für einen erhofften Erfolg. Der konkrete Abschluss des Vorhabens ist dabei gar nicht so wichtig, als der sichtbare Fortschritt in eine – für uns - förderliche Richtung. 

 

Neugier und Interesse - lauter kleine Feuerwerke

Es gibt eine Menge unterschiedlicher Botenstoffe, die im Zustand von Neugier aktiviert werden. Die bekanntesten sind Dopamin und Serotonin (Wohlfühlhormon) aber auch Endorphine (erzeugt natürlichen Flow) gehören dazu. Auf diese Weise werden jene Wege und Netzwerke ausgebaut und verstärkt, um das, was uns ‚am Herzen‘ liegt, zustande zu bringen. 

 

Für nichts lassen sich Menschen, schon als kleine Kinder, mehr begeistern als für das, was wir Glücksgefühle nennen. 

 


„Glücklich sind Menschen immer dann, wenn

 sie Gelegenheit bekommen, ihre beiden   Grundbedürfnisse nach Verbundenheit und

 Nähe einerseits und nach Wachstum, Autonomie und Freiheit stillen können. Wenn sie in einer Gemeinschaft mit anderen über sich hinauswachsen können“.  

                                                                         (Gerald Hüther)



Unser Gehirn hat Freude daran, mit anderen gemeinsam im Informations- und Beziehungs-Fluss zu bleiben, zu spielen, zu spiegeln und neu zu probieren. Die Energien unserer Gedanken werden dadurch aus den einengenden oder einschränkenden Bahnen befreit und können frei und ungehindert fließen.

 

Diese Erfahrung erzeugt ein inneres Glücksgefühl. Denn unser Hirn reagiert lustvoll auf spielerische und kollektive Lernprozesse, in die wir uns ständig, fragend, interagierend, neu probierend und forschend einbringen können. Das gilt für alle Menschen. Ob jung oder erwachsen.


"Im Zustand der Begeisterung geschieht etwas, was im Routinebetrieb des Gehirns nicht passiert. Wenn sich ein Mensch für etwas begeistert, kommt in seinem Gehirn die Gießkanne mit dem Dünger in Gang".

                                                                         (Gerald Hüther)


Es ist doch bemerkenswert, dass was bei uns Menschen genau das, was unser Leben faszinierend oder aufregend macht, für uns ebenso förderlich ist. 


"Unser Gehirn rechnet eben nicht, es will

  sich wohlfühlen."




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